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Im deutschen Reich · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. 497

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1917-12-01
Page
497 (sequence 6)
Language
German
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Umschau. 497 kEmpf, der *mtf allen Mitteln, wildester Verhetzung geführt wurd- Ar:d das ^vcfuXtatV Der fortschrittliche Klotz wurde im ersten 5Wahlgang gewählt. Auch die eifrige Wahthilfe, welche der antiscmitische Verein deutscher Studenten, leistete, war vergeblich... Zum, letzten Mal trat Adolf Wagner als Berliner Wahlkandidat dann bei den Reichstagswatzlen' 1893, diesmal im 'zweiten Wahlkreis', auf, Die Sozialdemokratie war inzwischen ^mächtig angewachsen. In vier schweren Wahlkämpfen hatten Konservative und Sozial-« dcmokraten vergeblich versucht, das Mandat dieses Kreises Rudo lf Virchow zu entreißen. Der „beste Marur" der Reaktion, Stocken war vergeblich als Wahlkandidat ausgetreten. Aber 1893 gelang der große Wurf endlich. Zwar nicht Adolf Wagner, wghl aber der sozialdemokratische Kandidat wurde gewählt. Die Anhänger Wagners hätten es zwar in der Hand ^gehabt, in der Stichwahl Virchow zum Siege zu verhelfen, aber sie enthielten sich größten^ teils der Abstimmung. Ein klciner^Teit durfte sogar für den .Sozialdemokraten gefiintmt haben... seitdem hat sich Adolf Wagner mehr und mehr vom Partcileben zurückgezogen. In den letzten Jahren ist er dann im Herrenhaus gelegentlich hervorgereten^ Mon der antisemitischen Agitation hat er sich zurückgezogen. Antisemit aber ist Wagner geblieben. Der österreichische Schriftsteller Hermann Bahr hat 1894 (bei S. Fischer, Berlin) jein Buch „Antisemitismus" erscheinen lassen, das interessante Interviews enthält. Er hatte auch Wagner, bei km er früher sgehürt hatte,.ausgefragt. Der bestritt, jemals Führer der antisemitischen Bewegung gewesen zu sein, aber „ich mag das jüdische Wesen, die jüdischen Unarten nicht leiden, und ich glaube allerdings, daß es den deutschen '■ Sitten Gefahr bringen kann. Aber was soll geschehen? Totschlägen können wir JJV nicht, aus dem Lande treiben and; nicht, irgendwie müssen wir sie eben verdauen". Den Antisemitismus, wie inan, ihn heute verstehe, habe er niemals vertreten, er sei christlichsozial. „Ich halte den der die soziale Frage ' mit der Judensrage verquickt, für falsch. Eine Lösung der Judenfrage würde die soziale Frage durchaus nicht lösen, und sie bliebe 'genau die nämliche, wenn wir überhaupt keine Juden hätten. Aber die Leute schimpfen auf den Juden und meinen den Kapitalisten. Das hat keinen Sinn. Daß man 'gegen die Auswüchse des Kapitalismus, gegen den unreellen Erwerb, gegen den Börsenschwindel durch Steuern und Reformen Wirker: soll — gewiß! Aber was hat das mir den Juden zu tun? Die soziale Frage bleibt mit oder ohne Juden die gleiche und verlangt eine Lösung für sich, die vielleicht auch diesen oder jenen Juden treffen wird, gerade so wie sie die kapitalistischen Christen trifft." — Das ist eine andere Formulierung des bekannten Sirrgcrschen Wortes: „Der Antisemitismus ist der Sozialismus der dummen Kerle." Uebrigens ist Wagner zuweilen auch den Konservativen recht unbequem geworden, so, als sie sich in ihrer selbstlosen Hingabe an den Staat gegen die Erbschaftssteuer mit allen Mitteln wehrten.- Wolf Wagner ist damals, als. er in einer .Versammlung der;

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