Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Article
- Die gesammelten Gedichte von Else Lasker-Schüler [Rezension]
- Date
- 1917-11-01
- Page
- 472 (sequence 1)
- Language
- German
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>72 Im Deutschen Reichs Buchcrschaü. Die gcscrnnnelten Gc-ichte von Else La Z k e r - S ch ü l e Verlag der weiten Bacher, Leipzig. 227> Gehe stet 5 Von all deur grotesken, und bizarren, e^chnnnk, der das Leben dieser eigenartigen, von einem bitteren. ^xhiasal getriebenen Frau. bnt-> rankt und das Verständnis ihres literarischen Könnens den meisten verschloß oder erschwerte, löst sich ctUmäbltch ihre Persönlichkeit los, nnd die Dichterin Laster»Schiller steht ohne Brabcsken da, groß, kindlich, einfältig und schlicht. Ihre, von einer reinen, tiefen Menschlichkeit getragene Kunst, für die die meisten (bedichte des Bandes so zeugen, daß dieser ft rau nicht nur Schätzung, sondern Verehrung urld aud> unsere wer!tätige Dankbarkeit gebührt, kourmt uns näher. Eine große Reihe dieser Gedichte, so die Erinnerungen an die Aage der Ar- Väter (Boas, Esther, Jakob (und Esau, Äbel, Pharao und Joseph, David und Jonathan, Ruth-, Saul, Moses iuü> Iosua, Abraham;intb Isaak, Jakob), vor allem aber das erschütternde „Mein Volk" kamen schon vor mehreren Jahren als Flugblatt heraus, sind aber leider bis heilte fast unbekannt geblieben, — gerade auf sie sei 'in diesen Blättern ausdrücklich aufmerksam gemacht. In der Beharrdlung dieser Stoffe lebt die jüdische Dichterin auf. Peter Hille, der sie Deborah verglich, hat sie aui befielt gekennzeichnet mit den Worten: „Sie Hai Schwingen cunt> Fesseln, Jauchzen des Kindes, der seligen Braut fromme Inbrunst» das müde Blut Verbannter Jahrtausende und greiser Kränkungen. — Der schwarze Schwalr Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen ist. Ihre Wangen sind feine Früchte, verbrannt vom Geiste. Sie -tollt sich mit dem alterernsten Jahre, und ihr Mutterseelchen plandert von ihrem Knaben, vtie's sein soll, nicht philosophisch, nicht tzcfühlsclig: nein — voll wannen Liebe rurd voll Leben kommend aus dem Märchenbuch." , Daneben klingt etwas wie deutsche Volksweise, weht es wie Morgenwind durch Hie Rardengassen der Sulamith. Wie Heine hat auch Else Laster einen Einschlag deutschen Blutes, ohne daßs es dadurch bei ihr wse bei ihm zu innerem Karnpfe oder gar zur Auslösung gekommen wäre. Ihre Seele ist zu stark in der Vergangenheit ihres Volkes veraukel'tz U)rc Seele steht „in den Mend* btkb.en Jerusalems": S n l a m i t h. O. ich leimte an deinem süßen Munde Zu viel der Seligkeiten kennen! Schon fühl ich die Lippen Gabriels Ruf meinem Herzen brennen » . And die Rachtwolke trinlt Meinen Liefen Zederntraum. £>, wie dein 2chen mir winkt! And ich vergehe Mit blühendem Herzeleid And verwehe im Weltraum, In Zeit, In Ewi^kech And merne Seele verglüht in den Wendfarben Jerusalems, Ihre Sprache erinnert an die der Mechtild von Magdeburg auf die der umgekehrte Werdeprozeß, Durchdringung des deutschen Meseus von den Lnhalten des. Hohenlieds urch dH Bsallei^