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Im deutschen Reich · 1917-11-01 · Heft 11 (November 1917) · p. 454

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 11 (November 1917)
Article
Theodor Mommsen
Date
1917-11-01
Page
454 (sequence 2)
Language
German
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454 Im Deutscher: Reich.- „Jmoieseru stehen nun die deutschen I uden anders innere halb unseres Volkes als die Sachsen oder die Pommern? Es' ist richtig, daß sie Nachkommen weder von Jstnevo sind noch von |£)mmui> und Jugaevo; ltub die gemeinschaftliche Abstammungj von Vater Noah genügt freilich nicht, wenn die germanische Ahuenprobe den Deutschen macht. Allerdings wird von der deutschen Nation noch allerlei mehr aüfalleu als die Kinder Israels, wenn ihr heutiger Bestand nach Tacitus Germania durchkorrigiert wird. Historisch wie praktisch hat eben überall nur der Lebende Recht; so wenig, wie die Nachkommen der französischen Kolonie in Berlin in Deutschland geborene Franzosen fhib, so wenig sind ihre jüdischen Mitbürger etwas anderes als. Deutsch e. „Die alte Welt 'kennt das nicht> was wir heute den nationalen Staat neunen. Ihre Staatenbitdung bleibt entweder hinter demselben weit zurück, wie die Stadtrepublikeu Griechenlands und Roms, oder greift weit darüber hinaus, wie die Monarchien Alexanders intb Caesars. Auch in den leütercn und überhaupt inr Altertum dachte mau gar nicht an dasjenige homogene und ungefähr mit dem Sprachgebiet zusammenfalleude Smatsbürgertum^ welches heute den Grund jeder politischen Gestaltung bildet. Deshalb blieb den Juden hier, auch nach dem Untergang ihres Staats, eine gcwsise nationale Geschlossenheit, die namentlich ihren Ausbrucr findet in der ihnen eigentümlichen Literatur. Allerdings haben sie bald als Schriftsteuer statt ihrer eigenen sich der dama^ ligeu Weltsprache zu bedienen angesangen intb stellen sich auch ihrerseits ans den damals allgemein gültigen Standpunkt der griechischen Bildung;. aber ihre hervorragendsten Schriftsteller, der Historiker Josephus, der Philosoph Philon sind ganz und voll Juden und bewußte Vertreter des Judentums. Die jüdisch-' alexandrinische Literatur ist ein wichtiger Faktor in der Geschichte des spateren Altertums; wo gibt es heutzutage dafür eine Analogie? Alle hervorragenden Arbeiten, die von Juden der Neuzeit herrühren, stehen innerhalb der Literaturkreise derjenigen Nation, welcher eben dieser Jude angehört. Ich will keine Namen nennen, aber man vergegenwärtige sich jeden jüdischen Dichter und Nomanschreiber von einigen: Belang oder auch nur von einigem Erfolg; man wird wohl die Spuren ihrer Herkunft er«- kennen, wie denn kein Poet seinen Ursprung verleugnen kann und . Goethe immer auch ein Frankfurter Stinb bleibt, aber der deutsche Israelit steht ebenso mitten im deutschen literarischen Leben wie der. Englische mitten im englischen .... . Das ist der eigentliche Sitz des Wahnes, der jetzt die Massen erfaßt hat und sein rechter Prophet ist Hr. w. Treitschke. Was heißt das, wenn er von unseren israelitischen Mitbürgern fordert, sie sollen Deutsche werden? Sie sind cs ja, so gut wie er und ich.

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