Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Die Judenmission unter den jüdischen Soldaten
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 409 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Fudenmission unter den jüdischen Soldaten. 409 handelt. In Galizien und Oesterreich sehen wir den Missionar Loewen durch eine Zeitschrift in jüdisch-deutscher Sprache und durch persönlichen Verkehr mit seinen ehemaligen Glaubensgenossen, durch manche Hilfeleistung sowie durch Besuche in den Lazaretten eifrig für das Christentum werben, während für Böhmen in Prag ein Dr. Greiß, für Polen in Lodz ein K. Kol und für Litauen in Wilna ein W. Salzberg und ein B. Bosen-- bäum in gleichem Geiste sich betätigen, Flugschriften vertreiben usw. Dabei erfüllt sie die Aeberzeugung, daß jetzt die besten Geschäfte zu machen seien, da doch die Ostjuden durch den Krieg aufs furchtbarste heimgesucht seien, die zahllosen Flüchtlinge im größten Elend leben, die Daheimgebliebenen unter den Schrecken des Krieges und dem judenfeindlichen Gebaren der Polen sehr zu leiden hätten, und so verängstigt und gedrückt, besonderes Verlangen danach tragen müßten, in einen religiösen Verband ausgenommen zu werden, der sie wenigstens von einem gut Teil dieser schweren Lasten befreien würde. Freilich verkennen sie dabei gründlich die Anhänglichkeit jener Juden an ihren Glauben, die nicht Bot und Tod zu erschüttern vermag. Ihre Ausbeute ist in der Tat beschämend gering. Gleichwohl bleibt es eine wichtige Aufgabe aller ehrenhaften, treuen Juden und Menschen überhaupt, dieser judenfeindlichen Beeinflussung in und außerhalb Deutschlands nachdrücklich entgegenzutreten. Wir haben uns davon überzeugen können, daß dieselbe häufig mit einer Aufdringlichkeit erfolgt, die schon an eine würdelose Reklame erinnert und vor allem den gesetzlich gesicherten Anspruch eines jeden Bürgers verletzt, frei, unbehelligt nach seinem Glauben zu leben. Militärische Kommandostellen, an ihrer Spitze das Kgl. Preußische Kriegsministerium, haben daher, ohne zu zögern, eine solche Werbetätigkeit Kriegsgefangenen und kranken Soldaten, z. T. auch denen im Feldlager gegenüber verboten. Wir dürfen darum auch fernerhin auf ihre Unterstützung rechnen, nicht blos aus Gerechtigkeit, sondern auch weil das militärische Interesse es fordert, daß die Heeresangehörigen frei von Belästigungen bleiben, damit sie sich desto kräftiger und williger ihren Pflichten widmen, und weil wir Deutsche uns nicht nachsagen lassen wollen, daPwir unsere Kriegsgefangenen einem religiösen Druck preisgeben. Das ist das Mindeste, was man verlangen darf. And an diesem Kampfe müssen sich alle dazu gehörigen Kreise beteiligen. In erster Reihe äst es Aufgabe der Feldrabbiner sowie der jüdischen Seelsorger in den Lazaretten und 'Kriegsgefangenenlagern des Heimatlandes, bei ihren Zusammenkünften und Besuchen immer wieder darüber zu wachen, daß die persönliche Wirksamkeit der Iudenmisfionare oder die Missionsschriften aus dem Bereiche aller Angehörigen der jüdi-