Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Das Judentum und der innere Frieden
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 403 (sequence 5)
- Language
- German
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Das Judentum und der innere Frieden. 403 großen Ernst, mit -dem beide Denker cm der Bewältigung der jüdischen Fragen arbeiten, in dem hohen Idealismus mit dem sie die von ihnen erkämpfte Red:-zeugung vertreten. Dies müssen wir uns bei unseren jüdischen Streitigkeiten vor Auge'n halten. Gegensätze mögen nach wie vor ausgetragen werden, aber Lies muß in sachlicher Weise geschehen. Aller Fanatismus ist dabei zu vermeiden. Ich wende mich hierbei nicht etwa nur an die Anders- Lenkenden, sondern ich -wende mich als jüdisch Liberaler — ich denke an dieser Stelle insbesondere an den politischen Liberalismus — auch an meine engeren Gesinnungsgenossen. Gerade den liberalen Grundanschaüungen läuft alle Unduldsamkeit auf das schroffste zuwider. Warum sind die liberalen Juden entschiedene Gegner alles falschen Nationalismus, aller engherzigen Rassentheorien? Die Rassewtheoretiker sagen uns: ihr deutschen Juden seid in Wirklichkeit! gar keine Deutsche, so sehr ihr euch auchbemühen mögeH Deutsche zu scheinen, ihr seid Juden durch eure Abstammung, durch euer Blut. Dagegeu lehnen wir uns auf, weil wir uns mit der deutschen Kultur aufs tiefste verbunden fühlen. So sehr wir unsere jüdische Stammeszugehörigkeit, so sehr wir den jüdischen Geist Hochhalten und pflegen, so entschieden! müssen wir dagegen protestieren, wenn uns unser eigenes deutsches Erleben durch den Mystizismus des Blutes, den unsere Rassenantisemiten pflegen, abgestritten wird. Das eigene Erleben, die Entscheidung nach selbstgewahlten Zwecken, das ist Ausgangs- und Zielpunkt des jüdischen Liberalismus. Liberal sein heißt ein Suchender, ein Strebender, ein sichständig Reberprüfender sein. Darum ist alle Unduldsamkeit bei Austragung jüdischer Meinungsverschiedenheiten) d. h. alle Führung geistiger Kämpfe mit ungeistigen Mitteln, als Sünde gegen die Grundanschauung des Liberalismus aufs entschiedenste zu bekämpfen. Wie sehr eine sachliche -Klärung der jüdischen Streitfragen auch im Interesse des Gesamtjudentums zu begrüßen ist, das hat in trefflicher Weise vor einiger Zeit Geheimrat Fuchs an andrer Stelle dargelegt. Aber die Aebertragung des Schützengrabengeistes — über Den in hem Thimmeschen Werke Ludwig tzaas so treffliche Worte findet — auf die inneren Auseinandersetzungen innerhalb des^Judentums ist auch vonj unserem deutschen Standpunkte aus zu fordern; denn wie können wir Toleranz von unseren nicht jüdischen Mitbürgern verlangen, wenn wir Toleranz nicht einmal in unseren eiaenert Reihen zu bewahren vermögen? .