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Im deutschen Reich · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. 396

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
[Ohne Titel] / J. L.
Date
1917-10-01
Page
396 (sequence 3)
Language
German
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Im Deutschen Reich. Volk keine Rotte russischer Pogrom-Huligans. Nur hat daZ deutsche Volk in drei Kriegsjahren au Einsicht und Reife gewonnen, nur hat es den Alldeutschen und den Geschäfts-- anLisemiten zu scharf in die Karten geguckt, um ihnen nun auf-- zusitzen. Nur daß, auch unser Centralverein, lange vor der Enthüllung des ,,Vorwärts" und lange ehe der General der Alldeutschen, Herr v. Gebsattel, aus der antisemitischen Schule geschwatzt hat, die geheime Bewegung im feindlichen Lager beobachtet und sein? Arsenale mit Abwehrgeschützen gefüllt hat. Die antisemitische Garde im Reichstag, in diesem ,,Juden« Reichstag", wartet in ihrer An geduld das Ende des Krieges gar nicht ab. Der unermüdliche Wortführer der Antisemiten im Reichstag bombardiert die Regierung förmlich mit judenhetzerischen ,Kleinen Anfragen". Jüngst wollte er wieder eine Art neuer Fudenstatistik, eine abermalige Zählung nach dem Glaubensbekenntnis. Er wollte wissen, ob bei den Erhebungen über die Angehörigen der kriegswirtschaftlichen Organisationen auch nach der Konfession gefragt werde. Die Regierung erwiderte, daß hiervon ,,aus grundsätzlichen Erwägungen" Abstand genommen wurde. Daß dieselben, sehr vernünftigen und einleuchtenden „grundsätzlichen Erwägungen" auch schon vor der ersten Iudenzäh-ung hätten bewahren sollen, die so viel böses Blut gemacht hat, das ist der Regierung sicherlich nicht entgangen, die während des Krieges Judentum und Antisemitentum besser erkennen und abschätzen gelernt hat. Zwecke und Mittel der Antisemiten wie der jetzt inniger als je mit ihnen verbundenen Alldeutschen haben in der denkwürdigen Reichstagssitzung vorn 6. Oktober, in der Auseinandersetzung über die ^Vaterlands- Partei", eine gründliche Durchleuchtung erfahren. In jener Sitzung hat es sich wieder einmal gezeigt, w o die großen Kriegsgewinne stecken und wie reichlich die Millionen — allerdings winzige Teilchen jener Gewinne —, zu Verhetzungszwecken verwendet werden. In eben dieser Sitzung hat Herr Prof. Werner, Gießen, der Herold der Antisemiten, verkündet, daß ,,von alldeutscher" Seite der Krieg ersehnt wurde. Dies eine Wort erhellt blitzartig die Lage. Es zeigt, wie wenig das deutsche Volk mit den sogenannten Alldeutschen zu tun hat. Das deutsche Volk hat wahrlich keinen Krieg ^ersehnt". Dies eine alldeutsch-antisemitische Bekenntnis aber zeigt auch, welche Elemente es sind, die im Auslande den Glauben, den Aberglauben nähren, deutsche Eroberungssucht habe diesen Krieg herbeigefirhrt. I. L.

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