Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1917)
- Article
- Chamberlain-Dämmerung
- Date
- 1917-10-01
- Page
- 388 (sequence 4)
- Language
- German
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388 Im S>eut[cf>;cn Reich, In völlig gleichem Sinne sagt Prof. Fr. W. FoersLer im letzten Machest der „Neuen Rundschau": „Das Gefährliche in all' den geistreichen Kombinationen. Chamberlains besteht gerade darin, daß er fast nie Unwahrheiten, aber fast immer Halb Wahrheiten sagt und daß er selbst richtige Beobachtungen so formuliert, gruppiert und interpretiert, daß sie zu falschen Zeugnissen werden. Er leitet den Leser mit einer unwiderstehlichen Art von frappierender, künstlicher Beleuchtung dazu an, die Dinge einseitig, isoliert von der Gesamtwirklichkeit des Lebens, zu sehen, er nimmt den Tatsachen ihre natürliche und schlichte Bedeutung und zwingt sie zum Tribut für seine vorgefaßten Ideen — gerade so, wie es nach seiner Darstellung der englische Imperialismus mit den von ihm beherrschten Ländern macht . v . / Es gibt eine Art von Formulierungen, die so offenkundig parteiisch und impressionistisch ist undvon so mangelnder Ethik des Denkens und Beobachtens Zeugnis ablegt, daß sie allein genügen sollte, einem Autor jeden geistigen Führerberuf aözuerkeunen. Solchen Formulierungen begegnet man häufig bei Chamberlain; sie erschließen seine ganze Art des Arteilens ünd Den keusch Fm „Tag"', Nr.'107 vom 9. Mai, schrieb vr. % Wirth U. a. über die Rassentheorie: „Das Wirken Gobineaus gehört, wie das seines Freundes Magner. der Zwischenzeit an, die von der Romantik bis zum Zeitalter des exakten Forschung verläuft; sie deckt sich mit dem Aufstiege des Rationalismus, der so deutlich 1818 beginnt. Es steht aber bereits nicht mehr die Ileöertreibung der Volkstugenden im Vordergrund, sondern der Blick schweift weiter und erhebt sich zum Preis einer ganzen Rasse. Was Deutsche? Was Franzosen? Mas Engländer? Was Italiener? So fragt der normannische Graf. Es handelt sich um Germanen und Romanen, um Etrusker und Finnen. Run befindet sich aber Govineau in einem tragischen Zwiespalt. Gerade bei dem VolkstNm, dem er selber unwiderruflich angehört, ist der Anteil germanischen Blutes gering geworden oder ganz verschwunden. So klingen alle seine Autersuchungen in einem Klagegesang über den Abstieg heutiger Volkheiten aus. Daß der Gras .ein Romantiker^ ergibt sich nicht nur aus seiner Bewunderung Richard Wagners und seinen künstlerischen, besonders bild hau erlichen Bestrebungen, sondern auch aus seiner ausschweifenden Liebe zum Reisen urrd seiner Begeisterung für das Exotische. Der Rlanra der für hohes Germanentum schwärmte, hockte am liebsten auf einem Diwan und rauchte ein Rargileh und dielt sich einen orientalischen Diener; der Edelmann aus uraltem Hause verkaufte sein Astnenschloß, der Verteidiger urangeüammLer Eigenart lebte in Rom und fühlte sich wohl, er, der Enkel der Wikinger, in einem Kreise geistreichelnder Kosmopoliten,- Lin Geschlecht, das den Zusammenprall von England und Deutschland, das den Zusammenbruch aller Rassegemeiuschasten erlebt har. Nest noch mit glühender Verehrung Govineau. In der Tatden Zusammenbruch! Denn Slawen der Habsburger und die Bulgaren kämpfen gegen Slawen Rußlands; Osmanen fechten gegen ihre Brüder, die russischen Tataren; die meisten romanischen Rationen sind gegen uns, aber Spanien hält .sich neutral . . v Ilm wieviel herzhafter wendet sich die Kritik gegen