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Im deutschen Reich · 1917-10-01 · Heft 10 (Oktober 1917) · p. 386

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 10 (Oktober 1917)
Article
Chamberlain-Dämmerung
Date
1917-10-01
Page
386 (sequence 2)
Language
German
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386 Fm Deutschen Reichs Weisheit, allerlei literarisches Einfuhrgut mit, das seinen Stil belebte und bunt überglänzte, und das man für Chamberlainsches Eigentum hielt, bis man es als die Mitgift feiner englischen Heimat erkannte, von der er jetzt nur in der Tonart des Haßgesangs spricht Nach und nach, macht sich indes im eigenen Lager Chamberlains und in dem seiner 'nächsten politischen Gesinnungsverwandtschaft eine wachsende Auflehnung gegen ihn, gegen seine Lehre und seinen Einfluß geltend. Selbst gegen Gobineau, den eigentlichen Begründer der jungen Heils- oder Anheilslehre von den Nassen, selbst gegen den Papst dieses Aberglaubens, dessen Missionar Chamberlain nur ist, erhebt sich jetzt in den eigenen Reihen, wachsender Widerspruch. Prof. Dr. Friedrich Lienhard in Weimar, der kraftvolle und charaktervolle Dichter, der aber doch den Alldeutschen näher steht, sagt Gobineau die Gefolgschaft auf. Den Dichter Gobineau läßt er gelten, dem edlen Menschen bewahrt er die treue ,,bewundernde Verehrung", vom Prediger der Rassenlehre aber wendet er sich ab. Sogar der berufene und würdige Apostel Gooineaus, der fleißige Gobineau-ForsHer und Biograph Prof. Ludwig Schemann in Freiburg läßt jetzt mit sich, handeln. Er sagt in einer Fußnote zur Vorrede u. a.: „Der germanische Gedanke verliert nichts von seiner Bedeutung,, wenn er n i ch t m e h r r ein anthropolog i s dy gefaßt, sondern mit einer sinnbildlichen Beimischung versehen wird." Lienhard aber bekennt sich ganz freimütig als. Ketzer dem Rassenglauben gegenüber. Gobineaus Grundanschauung ist folgende: die Edelrasse, die weiße Raffe, Arier, Germanen — das ist dasselbe. Dieser beschränkten Zahl von Lichtmensen steht die Masse der dunklen, farbigen, minderwertigen Rassen gegenüber. Gobineaus düster-heroische Folgerung ist nun diese: die Edelrasse wird nach und nach durch Vermischung untergehen, die Menschheit wird nach, und nach ein Chaos der Verblödung werden. So trostlos endet sein Rassenwerk. Diesem ,,heroischen Pessimismus" gegenüber, wie er Gobineaus Lehre genannt hat, „bäumt sich", so schreibt Lienhard, „ebensowohl meine Gotteswie meine Menschheits-Vorstellung auf. Was ist das für ein unsieghafter Gott, dessen Sendlinge und Lichtboten sichaus einem Mischmasch der Versimpelung ratlos flüchten müssen? ..." ..... „Nicht allgemein „das Deutsche" ist es, was die Gutkräfte in uns entflammt, denn es gibt doch wohl auch Gesindel in Deutschland: sondern das von den Meistern geformte Ideal. Es liegt dies weder in blonden Haaren noch in Schädelformeu; es ist gewaltiger, als daß es durch diese Dinge formuliert werden könnte. Daß die weiße Rasse den Erdball beherrscht, das ist ja eine klare Tat-

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