Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden. Festschrift zum 70. Geburtstage Martin Philippsons [Rezension]
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 377 (sequence 3)
- Language
- German
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NüKrsWrr- 377 letzterendas GesamLwerk würdig abl Die besten Namen der jüdischen Geschichtsforschung sind, wie die Aufzählung zeigt, darin vertreten. Die Festschrift ehrt ihre Schöpfer so gut wie den Meister, dem sie gewidmet ist, und verdient die Aufmerksamkeit aller derer, die für die 'Geschichte der deutschen Juden Interesse Hegen. Möge sie recht vielen ein Ansporn zur wissenschaftlichen Vertiefung in die treibenden Ideen dieser Geschichte wie zu ihrer Umsetzungen die praktische Dat werden, beides im Sinne Martin Philippsons, der das eins mit dem andern so vorbildlich zu verknüpfen gewußt! Freud enthal -Nürnberg. Walther A.athenaus 7,Streitschrift vom Glauben" hat einen neuen, großen Streit über den Glauben entfesselt. Das Seltsame dabei aber ist, daß Dr. Rathenau sein kleines Werk zwar eine Streitschrift nenntdaß sie aber, jedem Streit weit entrückt, nur das friL?olichste persönliche Bekenntnis ist. Der Verfasser setzt sich da überaus freundlich und ruhig mit Curt v. Trühschler-Falkenstein auseinander, der ihn um eine Meinungsäußerung über seine kleine Schrift >,Die Lösung der Judenfrage im Deutschen Reich" bat. Diese Lösung sieht nun v. Trützschler-Falkenstein im Uebertritt aller Juden zum Christentum, Walther Rathenau begründet, vom rein persönlichen Standpunkte aus, seine Abs a g e. Es berührt sicherlich jeden von uns geistes- und gemütsverwandt, es mutet uns wohltuend freundlich an, daß die Seelenkämpfe, die uns alle einmal lange durchtobten, auch diesen Geist kräftig aufgerüttelt haben, daß die Zweifel, aus denen allein ein gefesteter Glaube:: entstehen kann, die Zweifel, die Cartesius sehr richtig LapientiLtz initium, der Weisheit Anfang, nennt, auch ihn seit Jahrzehnten beschäftigen und sicherlich noch lange beschäftigen werdendenn offenbar hat er sich noch nicht zur vollen Klarheit, zur letzten Erkenntnis durchgerungen. Vor etwa zwanzig Jahren ließ Walther Rathenau in einer Zeitschrift einen Aufsatz „Höre Israel" erscheinender damals im jüdischen Lager starkes Mißfallen und heftige Mißbilligung erregte. Der unvergeßliche Vater Walther Rathenaus, der um die Entwicklung , unserer Großindustrie, um unser Wirtschafts- Wesen so hochverdiente Geheimrat Emil Rathenau, der an seinem Judentum mit.stillinnerlicher Liebe hing, und der auf seinen Sohn so große Stücke hielt, klagte nur damals in bewegten Worten über den Aerger, den ihm jene Veröffentlichung verursachte. „Aber was wollen Sie," fügte er hinzu, „ich habe von dieser Gesinnung und dieser Arbeit meines Sohnes 'keine Ahnung gehabt. Er hat mir das Heft eines Morgens ans Herr Frühstückstisch gelegt — ich habe es nicht früher gelesen als die Abonnenten der Zeitschrift alle . . An Walther Rathenaus angeblicher Streit- und eigentlicher Bekenntnisschrift -„vom Glauben", hätte sein entschlafener, sein unvergeßlicher Vater mehr Freude gehabt. In jenem später in eine Sammlung seiner Aufsätze, „Impressionen"- auf genommenen. Aufsatz „Höre Israel", der damals von den antisemitischen Zeitungen ausgebeutet werden konnte, stand Rathenan dem Judentum ferner und der Meinung Trützschler-Falkensteius näher als heute. Wenn auch freilich, das, was er zur Verteidigung des Judentums oder richtiger: zur Erklärung seines Beharrens im Judentum keinen gläubigen Juden, ja keiner: rechten Kenner des Judentums ganz befriedigen kann. Hätte Walther Rathenan es unternehmen wolleneine allgemeine, gelehrte Aus ein anders etzun g zwischen Judentum und Christentum zu bieten — etwas, wozu er sicherlich nicht geneigt und ganz gewiß weder befähigt noch berufen ist, dann wäre dieser zwischen einem Karfreitag und Ostersonntag unternommene flüchtige Versuch durchaus abzulelpnen, wie er von der theologischen Fachkritit abgelehnt wurde. Kein Zweifel, daß ans dem Gebiete der Greuzregulierung,zwischen jüdischer und christlicher Glaubenslehre, zwischen jüdischer und christ-