Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Zur "polnischen Juden-Frage"
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 372 (sequence 9)
- Language
- German
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372 Im deutschen Beicht kennt, nämlich die in Form einer AeligionZgesellschaft. Dis Herren, die mehr verlangen, mögen sich mit den künftigen Gesetzgebern, die die polnische Verfassung ausarbeiten, ins Benehmen setzen; Porwürfe gegen die Verwaltung aber, die schon während der Okkupationszeit in ihrem Interesse, im Interesse des künftigen Staates und im Interesse der polnischen Juden Ordnung in das Chaos jüdischen Gemeindelebens bringen wollte, sind juristisch und politisch unhaltbar. Der zweite Warschauer Brief schließt mit folgenden Worten: „Die Deutschen und die Juden Polens sind überzeugt, daß nach dem Kriege, sobald die „Deutsche Macht" sich zurückgezogen habe. Judenverfolgungen schlimmer Art (Boykott, Rechtsverweigerungen usw.) ausbrechen werden. Möchten diese Zeilen dazu beitragen, daß diesen Besorgnissen gewehrt werde!" Logisch ist dieser Schluß nicht. Sicher nämlich ist, daß der polnische Antisemitismus zur Siedehitze getrieben war-, den wäre, wenn man von deutscher Seite die jüdisch-naLionalistischen Ansprüche gefördert hätte. Kein Mensch könnte dafür einstehen, welche Folgen eine derartige Politik für die polnischen Juden hätte, wenn die „Deutsche Macht" sich zurückgezogen hat. Deutschland will, daß die verschiedenen Bevölkerungsklassen in Frieden miteinander leben; die Gegensätze sind groß, Schwierigkeiten und Kämpfe sind unausbleiblich; sie falsch, verstandenen deutschen Interessen zu Liebe zu ^vergrößern, kann nicht die iAufga.be einer verständigen Verwaltung sein. % Dereinsnachrichten. Bon einem überaus schmerzlichen Schicksalsschlage ist der erste Vorsitzende: des 'Centralvereins, Herr Iustizrat Dr. Horwitz, betroffen worden. Sein einziger Sohn, der Kammergerichtsreserendar Dr. Hermann Horwitz, der seit Kriegsausbruch im Felde stand und mit mehreren militärischen Auszeichnungen wegen seiner anerkannten Tüchtigkeit bedacht worden ist, ist als OffizierstellvertreLer an der Westfront gefallen. Mit dem Vorstände des Centralvereins bringen seine Mitglieder dem allverehrten Vorsitzenden und Führer unserer Bewegung ihr herzlichstes Beileid entgegen. Auch unser Vorstandsmitglied, Herr Prof. Schneider, hat nunmehr dem Vaterlands das schwerste, schmerzlichste Opfer gebracht; auch er hat nun einen hoffnungsvollen Sohn auf dem Schlachtfelde verloren. Der jugendliche Krieger ist — gleich so viel, viel Tausenden seiner Alters- und Glaubensgenossen —, im Kampfe für das Vaterland 'ruhmvoll gefallen. Von den Mitgliedern des Vorstandes unseres Centralvereins haben bereits StadLrat Panofsky, Iustizrat Ofner, Geheimrat Fuchs, Justizrat Dr. Horwitz und nun auch Prof. Schneider ihre KLhne auf dem Schlachtfeld verloren. Rabbiner Dr. Lranck in Köln konnte am 6. September das MbiläuM seiner fünfzigjährigen Tätigkeit begehen. Seit zweiund-