Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 9 (September 1917)
- Article
- Zur "polnischen Juden-Frage"
- Date
- 1917-09-01
- Page
- 370 (sequence 7)
- Language
- German
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370 Fm Deutschen Deich- Naiv aber ist der Glaube des Brieffchreibers, daß man die jüdische Bevölkerung Polens durch eine jüdisch-nrtionalhstische Politik zu zuverlässigen Freunden Deutschlands hätte machen können. Die polnischen Juden tratchr uns, als den Befreiern vom brutalen zaristischen Joch, mit Sympathien gegenüber; die Sympathien haben abgenommen, weil die harten Kriegsnotwendigkeitenmit ihren wirtschaftlichen Schädigungen, für die man sich bei England bedanken mag, schwer aus der jüdischen Bevölkerung lasten. Sie haben in Ober-Ost, das in jenen Briefen wegen seiner mehr nationalistischen Politik rühmend gegen das Generalgouvernement Warschau ausgespielt wird, mehr abgenommen als in Polen. Das beweist, daß durch eine jüdisch-national gerichtete Politik noch lange keine Sympathien gewonnen werden. In den weitesten jüdischen Kreisen in Polen wird es jedHifalls durchaus gebilligt, daß die Verwaltung sich in die inneren Streitigkeiten des polnischen Judentums nicht eingemischt hat. Nun heißt es aber in dem „Zweiten Warschauer Brief": „Statt die großen Waffen der national gesinnten Juden '(die „Volksgruppe'' und die Zionisten) durch kluges Erfüllen berechtigter Wünsche zufrieden und in deutschfreundlicher Gesinnung zu erhalten, legt man ihnen Schwierigkeiten in den Weg. Das gut geleitete (in „jüdischer" Sprache gedruckte) „Warschauer Tageblatt" hat man sein Erscheinen einzustellen genötigt, und man fördert statt dessen das seit dem 1. Februar d. I. erscheinende „Jüdische Wort". Durch dieses suchen di« beiden vorhin erwähnten deuffchen Rabbiner, die Juden zu polonisieren und vermehren und vertiefen nur die zwischen den dortigen Juden vorhandenen Gegensätze." Die Darstellung entbehrt nicht eines gewissen Humors. In Warschau pfeifen es, weil es die Zionisten selbst erzählten, die Spatzen dom Dach, daß von zionistischer Seite eines Tages eine Beschwerde an die deutsche Verwaltung kam, in der gegen die Haltung des „Warschauer Tageblatts" scharf protestiert wurde; es sei unerhört» daß die deuffche Verwaltung das jüdisch-mationalistische „Warschauer Tageblatt" herausgebe, das in einem „üblen Gassentone"- die Masse verhetze und dessen Redakteure bedenkliche „Demagogen" seien. Als die Verwaltung einige Mvnate später diese unnötige! Gründung aus den ersten Tagen der Besetzung von Warschau eingehen ließ und ohne jede Unterstützung ihrerseits der Orthodoxie gestattete, für ihr Geld und auf ihr Risiko eine Tageszeitung „Das jüdische Wort" herauszugeben, drückte allerdings die zionistische jüdische Rundschau in Berlin ihr „höchstes Befremden" aus und in dem Artikel waren die Demagogen von gestern Plötzlich „die bekannten ostjüdischen Schriftsteller" geworden.