Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Article
- Luju Brentano [Rezension]
- Date
- 1917-07-01
- Page
- 327 (sequence 3)
- Language
- German
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Vermischtes. 327 ienkwicklung des KapiLalismuZ nötigen Barmittel verschafft hat. Fm Fahre 1911 läßt Sombart den Kapitalismus erst drei Jahrhunderte später entstehen, nämlich im Jahre 1492, bezw. 1495 und 1497. Irr diesen Fahren fand die Austreibung der Irrden aus Spanien und Portugal statt. Man darf gespannt sein auf die Geburtsstunde, die Sombart nach weiteren neun Jahren seiner Studien in seinem nächsten Werke angeben wird! Es wäre sehr wünschenswert, daß das Buch Brentano's von all denjenigen durchstudiert würde, die auch Sombart's Buch gelesen haben, W. K. Die Israelitische Realschule in Fürth versendet soeben den Bericht über das Aroeitsjahr 1916—17, ihr 55. Schuljahr. Buch innerhalb der wachsenden Schwierigkeiten der Kriegszeit hat diese Realschule auf der Höhe ihres alten Ruhmes sich behauptet. Der Bericht entrollt ein Bild Hochgerichteten Strebens und seltenen, wohlgeleiteten Fleißes. Bei sehr großen Anforderungen haben alle 18 -Schüler der Oberklasse/die sich zur Reifeprüfung stellten, sie auch mit bestem Erfolg bestanden. Der Direktor, Prof. Dr. Feilchenfeld, darf mit Genugtuung auf das Brbeitsjahr zurückblicken. Jüdische Lieder. Mit der Befreiung Polens vom russischen Joch ist auch der nationale Geist der Juden des Ostens zu neuem Leben erwacht. In Profawort und Dichtung sahen wir das „jiddische Idiom" davon befruchtet. Bber fast noch stärkeren Anteil daran scheint die Musik genommen zu haben. Hatte man anfangs nur das beinahe vergessene „o st j ü d i s ch e Volkslie d" zu neuen Ehren gebracht, so galt es nun zu erproben, ob die nationale Bewegung nicht auch neuem Schaffen einen günstigen Boden zu bieten hätte. Rach dieser Richtung hin liegt uns ein .Heft „jüdischer Lieder" von Ianot S. Roskin (Musikverlag für nationale Volkskunst, Berlin-Halensee) vor, die bereits in einem Berliner Konzert in der Wiedergabe des bekannten Tenors Leo Gollanin ihre Feuerprobe bestanden haben. Vor allem muß man den Liedern nachrühmen, daß sie einen gebildeten Musiker ihren Schöpfer nennen, abseits von jenem Dilettantismus, der den ersten Riederschristen der ostjüdischen Volkslieder gemeinhin anhängt. Sodann: Roskin weiß durchweg den Stil Au wahren, den man so oft in jenen Volksliedern vermißt, jenen Stil, jder aus dem „althebräischen Rigen" geboren wurde und der wehmütigen Stimmung des bedrückten und gequälten Iudenvolkes so charakteristlschen Ausdruck leiht. Freilich kommen dabei dem Komponisten die ernsten bis traurigen Stoffe der Dichtungen von Reisen, Perez, Dembitzer sehr entgegen. In „Mein Spielen" und „Dos Gebet" wird die musikalische Stimmung noch erhöht durch eine obligate Violinstimme, die i,n sehr wirksamer Weise die Gesangsmelodie unterstützt und umspielt. Wenn wir mx§ auch denken könnten, daß das Ausdrucksvermögen auf dem Gebiete des „jiddischen Liedes" stellenweise noch origineller zu gestalten, möglich wäre, wie es bei Roskin geschehen, so ist doch dieser Versuch neuen Schaffens — offenbar einer der ersten! — als ein durchaus künstlerischer aufs Dankbarste anzuerkennen und allen Jenen, die sich. gern, ffin die Stimmung der altjüdischen Melodie versenken, aufs Wärmste zu empfehlen. Aber auch in religiös Unbeteiligten dürften die innigen Herzenstöne, die in den Liedern angeschlagen werden, eine verwandte Saite erklingen lassen. I)r. Bagumil Zepler,