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Im deutschen Reich · 1917-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1917) · p. 307

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1917)
Article
Alldeutsch - alljüdisch
Date
1917-07-01
Page
307 (sequence 2)
Language
German
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Altdeutsch —' alljüdisch 307 Antisemitismus als Schmach des Jahrhunderts gebrandmarkt. Oder soll es vielleicht doch nicht ganz so gewesen sein? Ich fürchte, den deutschen Juden und! der Welt dürste von dieser tatsächlichen Bevorrechtigung recht wenig bekannt sein. Deshalb kommt Herr Fritz auch ihrem Gedächtnis zu Hilfe. Alle krankhaften Erzeugnisse der Kunst, Literatur, des Theaters, der Wissenschaft seien von Juden geschaffen. Auch die Entdeckung des jetzt allgemein angewandten Salversans macht Herr Fritz dem Judentum zum Vorwurf, um schließlich eine laute Wehklage über den Einfluß der Juden auf Presse und Politik anzustimmen. Diese sattsam bekannten Behauptungen werden aber durch ihre ständige Wiederholung nicht wahrer. Der Vorwurf, daß eigentlich die Juden die Schöpfer und Erhalter bürgerlicher Freiheit seien, bedeutet ja an sich ein großes Loh für diese schwache Minderheit. Ein Geheimrat dürfte doch aber wissen, daß der Parlamentarismus, die französische Revolution, die deutsche Verfassung und das Reichstagswahlrecht nicht von Juden geschaffen sind, und daß: die ganze Welt ihre demokratischen Staatsformen nicht den wenigen Juden zu verdanken hat. Der Jude ist sogar als Hüter alter Traditionen und einer alten Familienkültur in seiner Gesinlnung recht konservativ und Neuerungen schwerer zugänglich. Durch die merkwürdige Tatsache, daß in Deutschland jede konservative oder „nationale" Bewegung es für erforderlich hielt, im antisemitischen Fahrwasser zu segeln, wird es aber jedem ehrliebenden deutschen Juden unmöglich, sich, diesen sogenannten staaLserhaltenden Parteien anzuschließen. In Wirklichkeit trägt diese Richtung nichts „SLaatserhaltendes" in sich. Denn gerade durch die Verbreitung der Ansichten des Herrn Fritz muß die ganze Welt zu der glücklicherweise falschen Auffassung gelangen, daß Deutschland der Hort der Reaktion fei. In der Verurteilung dieses wohl nur noch in Deutschland so üppig wuchernden Antisemitismus sind sich allerdings die Juden der ganzen Welt einig. Insofern ist das Judentum international. Genau so international denken aber auch deutsche Katholiken und Protestanten, wenn sie sich ihrer in anderen Ländern bedrückten Glaubensgenossen annehmen. Mit welchen Gefühlen soll nun der deutsche Jude, nach dreijähriger Tätigkeit an der Front, nach Opfern an Gut und Blut, eine derartige „nationale" Politik begrüßen, die im Jahre! 1917 Ausnahmegesetze zur Verkürzung der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung der Juden fordert? Zum Glück weiß er, gerade aus seinen im Felde gesammelten Erfahrungen, daß diese Art nationaler Politik nur von einer geringen Anzahl fanatischer Antisemiten betrieben wird. And er hat die erfreuliche Gewißheit, daß hinter dem im Gegensatz zu „alldeutsch" aufgetauchten ,^alljüdisch" nicht nur die Juden

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