Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Zur Lage des jüdsichen Viehhandels
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 265 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316870-2352262--27306-2352382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hagada und Arbeit. 265 mit den einzelnen Reflektanten in Verbiud'/ng setzen unS sich um die Beschaffung der Landgüter bemühen solle/' Der befriedigende und erfolgreiche Verlauf der Sitzung läßt die Hoffnung als gerechtfertigt erscheinen, daß das Komitee seine gemeinnützigen Ziele auch wird durchführen können, und somit ist diese Versammlung auch nicht ohne Bedeutung für die Gesamtheit des Judentums. Sie kann nicht nur zur materiellen Hebung des Standes der jüdischen Viehhändler beitragen, der ja einen beträchtlichen Prozentsatz des deutschen Judentums darstellt, sondern -auch kulturell wertvoll wirken, indem sie auch die soziale Stellung der jüdischen Viehhändler hebt und die Juden zur erhöhten Pflege der Landwirtschaft veranlaßt. •fe gagada und Arbeit. M. Katten, zurzeit im Heere. Fn einer von Richard Ehrlich vorgenommenen Betrachtung: „Hagada und jüdischer Arbeiterstand" wird der Ansicht Raum verliehen, daß die reiche Symbolik des Sederabends und der Hagada einer zeitgemäßeren Deutung bedürfe. Die unzweifelhafte Betonung der Bitterkeit und Härte der Arbeit, die in den Symbolen liege, begründe „die Scheu des heutigen Juden vor starker körperlicher Arbeit," und gebe unseren Gegnern den Vorwand, uns diese Scheu zum Vorwurf zu machen. Es wird wohl niemand geben, der in den religiösen und sittlichen Grundsätzen des Judentums eine irgendwie ablehnende Stellungnahme der Arbeit gegenüber erblickt. Aber man müßte die sittliche Kraft der jüdischen Religion leugnen, wollte man in ihr verkennen, daß die Arbeit, in persönlicher oder sittlicher: Unfreiheit vollzogen, den Arbeiter erniedrigt. Die Tatsachedaß Vögte und ein Heer feindlich gesinnter Beamter unsere Vor«? Väter beaufsichtigten und sie mit Peitschenhieben zur Arbeit antrieben, möchte man in keinem Falle als aufmunterndes Beispiel für den Wert der Arbeit heranziehen. Und doch spricht die Geduld und Beharrlichkeit, mit der sie Frohne und Mißhandlungen ertrugen, in Verbindung mit einer außergewöhnlich starken Fruchtbarkeit, in hohem Grade für die unverwüstliche Kraft der Lebensäußerung unserer Vorfahren. Die Befreiung aus Aegypten setzte an Stelle der erzwungenen, wertlosen Arbeit, das von dem eigenen sittlichen Willen geleitete Schaffensgefühl. Kein Zwinge Uri, sondern einen Palast der Freiheit sollen die Juden errichten, in deren Schatten jede Arbeit zu einer sittlichen Größe wird. So gedeutet, können die Symbole des Sederabends als Tribut der unterworfenen niederen Masse an den sieghaften Arbeitswillen der Menschheit gelten, zu deren geistigen AnfüHreM