Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Wilhelm von Humboldts Beziehungen zum Judentum
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 254 (sequence 2)
- Language
- German
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254 gm; Deutschen Reichs zösische Revolution veranlaßt" kann man glelchscrm als das ägMjß Lied der Duldung gegen Andersgläubige bezeichnen. Recht und Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, auch in Religionssachen, verkündet er dort als eine der Hauptaufgaben einer vernunftgemäßen Regierung. Schon frühzeitig kam er mit namhaften Juden der Berliner Gesellschaft zusammen, wurde mit ihnen befreundet. Seine ganze Erziehung war durchtränkt und durchgeistigt von dem Geiste Moses Mendelssohns, dessen „Phädon", „Morgenstunden" und „Jerusalem" ihm als die Bibel der Aufklärung und der rationalistischen Philosophie erschienen. In den Berliner Salons jener Zeit huldigte der junge Wilhelm von Humboldt Männern wie David Friedlander und Markus Herz, die so viel für die Judenemanzipation taten. Auch auf seinen Reisen nach dem Auslande unterhielt Wilhelm v. Humbol-d mit David Friedländer und seinem Kreis einen angeregten Briefwechsel. Dieselbe Hochachtung und Verehrung, die der junge Hunts boldt für Friedländer hatte, bewahrte er ihm auch auf der Höhe seines Lebens und seines Ruhmes. Ws preußischer Gesandter und als Unterrichts- und Kultusminister näherte er sich dem Freunde mit gleicher Liebe und inniger Anhänglichkeit. Wie man aus den Briefbemerkungen Wilhelm von Humboldts ersehen kann, hatte er von frühester Jugend an sehr intime Beziehungen zu dem vielgesuchten Arzt und Philosophen, einem Lieblingsschüler Immanuel Kants, dem Hofrat und Waldecks chett Professor vr. M arkus H erz, dessen Frau, HenrietteHerA die Begründerin des Berliner Salons und sowohl durch ihre Schönheit wie durch ihren Geist und ihren Wohltätigkeitssinn berühmt war. Mit ihr unterhielt er sich eifrig über Kant, den er neben Friedrich Schiller Mter allen deutschen schöpferischen Geistern am meisten verehrte. Er zählte zu den fleißigsten Besuchern der Vorlesungen, die Markus Herz in seiner Wohnung über Kantische Philosophie hielt. Eine glänzende Gesellschaft fand sich zu diesen Vorlesungen ein. Gehörten doch zu den Besuchern selbst die jüngeren Brüder des Königs Friedrich Wilhelm Hl. Als junger Mann, bevor er seine spätere Gattin Karvline von Dacheröden kennen lernte, schwärmte er glühend, leidenschaftlich für Henriette Herz. Aus dieser Bekanntschaft entwickelte sich eine Freundschaft für das ganze Leben. Er kam mit ihr nicht allein im Hause ihres Gemahls, sondern auch in einer fleißig von ihm besuchten Lesegesellschaft zusammen, an der damals die ausgezeichnetsten Männer Berlins teilnahmen. So z. B. der Dichter und Theaterdirektor Engel, sowie die Poeten Rcunler, Moritz, Teller und viele andere. Auch, die weiblichen Mitglieder dieser Familien waren stark vertreten. Man