Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Leopold Zunz's Arbeiten für das Judengesetz 1847
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 250 (sequence 6)
- Language
- German
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250 Fm Deutschen Reichs siereN; es mag genügen, auf eins besonderes kräftige Rede Vinckes vom 1. Juni aufmerksam zu machen. Für unseren Zweck genügt es, daraus hinzuweisen, daß! die beiden Abgeordneten, an die Funz sich brieflich gewchndt hatte, der Anregung nur teilweise folgten. Der freisinnige Abgeordnete Beckerath trat für die Juden ein. Fürst Lichnowsky dagegen, der in der Herrenkurie mehrmals das Wort ergriff, wandte sich durchaus gegen die Juden, zum Teil in unbedeutenden Bemerkungen, dasnn aber in einer lebhaften! Ausführung die sich gegen die Aebertragung der Gsrichtsherrenwürde aus die Juden wendete. Wie sehr die Liberalen das Auftreten der Minister mißbilligten und den freisinnigen Abgeordneten zujubelten, dafür möge hier wenigstens ein Zeugnis mitgeteilt werden. Es findet sich in Varnhagens Tagebüchern Band 4, Leipzig 1862, Seite 104 und lautet folgendermaßen: „Allgemein ist die Freude über die Niederlagen der Minister. In der Iudensache sind Eichhorn utnd Thiele wieder hart bedrängt worden. Vincke zeigt das Ansinnige und Anwahre des sogenannten „christlichen Staates". Die ganze Verhandlung ist trefflich, ein schöner, freier Sinn herrscht entschieden vor. Diese Stimme des Landes wird überall nachwixken. Die Juden haben damit einen festen Halt gewonnen.^ Wenn nun auch kleine Aenderungen des Entwurfs folgten, so daß das Gesetz von 1847 gegenüber dem ursprünglichen Entwurf einige Verbesserungen ausweist, so blieben im Großen und Ganzen alle Schäden bestehen, gegen die Zunz warnend seine Stimme erhoben hatte. Freilich blieb das Gesetz nur kurze Zeit in Kraft, denn im Prinzip wurde es ^urch >die Verfassung 1848 aufgehoben und durch den Satz vernichtet: „Die Ausübung staatsbürgerlicher Rechte ist von dem religiösen Glaubensbekenntnis unabhängig". Damit wurden gesetzlich aller Ausnrhmemaßregeln beseitigt. Aber man weiß leider, daß alle Grundanschauungen, die jenes Gesetz von 1847 diktierten, im Grunde noch heute bestehen und leider auch die Praxis vielfach bestimmen. Zunz hat seit 1847 seine öffentliche Wirksamkeit nicht wieder aufzunehmen versuch, er trat 1848 vollkommen in die Opposition, durchlebte die Märztage als Volksredner und als Wahlmann, wiederholte diese Tätigkeit am Anfang der neuen Aera, aber bemühte sich nur in dieser Art und nicht durch Einwirkung auf bestimmte Politiker, einen Einfluß auf die Geschicke des Vaterlandes zu gewinnen.