Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Article
- Leopold Zunz's Arbeiten für das Judengesetz 1847
- Date
- 1917-06-01
- Page
- 246 (sequence 2)
- Language
- German
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Im Deutschen Reich e) jede Beschränkung der Juden in den deutschen Bundesstaaten nach 1815, widerrechtlich geschieht, h) die Juden in Preußen durch das Edikt von 1812 bürgerlich gleichgestellt seien, v) das Werk des Edikts notwendig zu vollenden sei, mbem auch der Staatsdienst und die ständigischen Rechte ihnen gegeben werden. Er fügt' (Seite 95) hinzu „nur der wahnsinnigste, der Vernunft völlig unzugängliche Fanatismus kann mH dem Einwände austreten, es sei überhaupt der Vertretung eines christlichen Staates unwürdig, einen Inden unter sich aufzwnehmen." Was soll man nun zu einem Entwürfe sagen, der .gestützt auf veraltete Anträge, geistlose Statistik, aus der Luft gegriffene Behauptung und bestrittene Kirchemneinumg ein Vorurteil, das tausendjähriges Anrecht in Recht verkehrt, zu einer Staatsmaxime erhebt? Dieser neue Grundsatz, den zu beweisen die Infalibität des Gesetzentwurfs verschmähet, lautet: „Ein Jude kann kein obrigkeitliches Amt über Christen bekleiden." Politisch hat das Axiom einen Sinn: die Juden sind Heloten, Unfreie, eine geringere Kaste, Parias usw. können demnach kein Amt bekleiden, wodurch sie ein obrigkeitliches Ansehen usw. Vor dem Edikt 1812 und vollends im Mittelalter ist ein solcher Zustand denkbar. Jetzt aber, nachdem die Juden Bürger des Staates sind mit gleichen Pflichten, wo jeder das, was er im Staate wird und leistet, als Individuum durch, sich selbst geworden und gewährt, Werden sie tiefer gestellt,, weil ihre Religion tiefer stehe. Gibt es denn vornehme und geringe Religionen in Preußen? Ls ist außerordentlich leicht, daß eine Mehrzahl ihren Glauben für aristokratischer hält, nur darf sie die Minderheit mit dem plebejischen Glauben deshalb nicht mit Füßen treten. Die Verdrängung der Ketzer, die Bartholomäus-Rächte, die Mißhandlung der Amerikaner ist auch schon für Christentum ausgegeben worden, ebenso wohl als die gegenseitige Verfolgung und Verfluchung der verschiedenen christlichen Glaubensgenossen. „Gott hat Israel nicht verstoßen, obgleich es Propheten, getötet", dies ist ein Ausspruch der Weltgeschichte und steht bereits im Römerbrief (Kapitel 11) und wenn tu der Herabwürdigung und Isolierung der Juden die Christlichkeit besteht, so fehlt diese Christlichkeit Friedrich Wilhelm III. und den christlichen Rationen in England- Amerika, Frankreich, Holland und Belgien. Um die Rückschritte zu beschönigen, heißt es (Denkschrift Seite 6) man müsse die Stufe sittlicher und religiöser Bildung beachten, auf welcher sich zur Zeit noch immer ein erheblicher Teil der jüdischen Bevölkerung befindet. Dieses Urteil ist an beiden Füßen lahm. Derselbe Satz paßte erstlich ans Kutscher, polnische Bauern, Dienstmädchen, Eckensteher und so