Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Der hygienische Standpunkt
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 220 (sequence 7)
- Language
- German
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220 Sin Qeulkten Reich. fetten sich zum (Eintritt in eine freie Lehrstelle gar nicht eignen. Diese müssen in besonderen Anstalten, den ,,Arbeitslehrkolonien", ansgebildet und für einen Berns erzogen werden. Diese sind auf dem Lande gelegen und enthalten mehrere Werkstätten, teils zur speziellen, teils zur allgemeinen Geschicklichkeitsausbildung der Schwachbefähigten. Zweckmäßigerweife sind landwirtschaftliche und gärtnerische Betriebe damit verbunden. — Mit besonderer Umsicht ist die Berufswahl und Berufsausbildung der Taubstummen, Blinden und Krüppel zu leiten, der Beruf soll sorgfältig ihrem Gebrechen und ihren Fähigkeiten angepaßt werden. Am besten erfolgt bei ihnen die Berufsausbildung in den Anstalten, oder diese haben, soweit es möglich ist, für die Unterbringung in geeignete Lehr- und Dienststellen zu sorgen. Auch nach der Entlassung sollen, diese jungen Leute in Verbindung mit der Anstalt bleiben und sie soll ihnen im Kampf ums Dasein beistehen. Auch die schulentlassenen Sprachgebrechlichen bedürfen der Fürsorge. Viele derartige junge Leute finden ihres Bebels wegen nach beendigter Schulzeit keine Beschäftigung, sie werden schon als Lehrlinge abgewiesen, weil man keinen Lehrling brauchen kann, der nicht einmal die einfachste Besorgung ausrichten kann, wie es denn, überhaupt wenig Berufe gibt, bei welchen die Sprache nicht fortdauernd als Vermittler dient. Or. Gntzmann-Berlin verlangt daher mit Recht, daß stotternde Lehrlinge zur Beseitigung des Leidens besonderen Unterricht erhalten. Er hat zu diesem Zwecke Kurse eingerichtet, auch Kurse im Anschluß au die Fortbildungsschule kommen tu Betracht. — Besonders schwer ist die Versorgung und Berufsberatung der sog. psychopathischen, verwahrlosten und kriminellen Schulentlassenen. Für viele derselben ist die einzige Hoffnung die Unterbringung in eigens zu diesem Behuf gegründete Anstalten, wie seit einigen Jahren eine solche in Templin bei Berlin besteht. Wir sind hinsichtlich der Erziehung und späteren Versorgung dieser Kategorien von unglücklichen Kindern noch sehr im Rückstand. Richtig geleitete Erziehung rettet diese Individuen oft noch, bei falsch geleiteter aber, wie sie sehr oft im Elternhaus und .in der Schule stattsindet, werden diese Menschen häufig zu Vagabunden, Verbrechern, Irrsinnigen, Prostituierten usw. jIchi habe in den vorstehenden Darlegungen versucht, im engen Rahmen eines Zeitschriftenaussatzes die hygienische Seite der ^Berufswahl und Berufsberatung zu erörtern. Man 'wird sich nach diesen Darlegungen ein ungefähres Bild von der großen Wichtigkeit und ungemeinen Mannigfaltigkeit der sich dabei ergebenden Gesichtspunkte machen können. Die Forderung, daß in die Hauptstellen für Berufsberatung sowie in deren Zweigstellen außer anderen Sachverständigen (Lehrer, Kausleute, Handwerker usw.) vor allem auch Aerzte gehören, ist daher