Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Article
- Leopold Zunz's Arbeiten für das Judengesetz 1847
- Date
- 1917-05-01
- Page
- 201 (sequence 9)
- Language
- German
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201 IudenschafLsgesetzen entgegengehen, nicht zugleich das Rechtsbewußts-'eiu und die Iudeugasse gründen. Sind Recht, Ehre, Freiheit Güter eines jeden Bürgers, so gehören sie auch uns und jeder werde nach seinen Taten gerichtet, nicht nach Glaube und Abstammung. Möchte es mir gelungen sein, Sie davon zu überzeugen, daß a) die Inden rechtlos behandelt werden, wenn die Bestimmungen des Entwurfs Gesetzeskraft erhalten, d) wir, wie alle anderen, schlechterdings im Landtage der-' treten sein müßten, e) nicht nur kein vernünftiges Motiv solche Beschränkungen fordert, vielmehr Vernunft und Geschichte deren Gegenteil gebieten, ü) eine unbedingte Gleichstellung das Ziel aller Bestrebungen fein müsse und zwar zum Wohle des Staates,- daß endlich e) solche Gesetze erst die Vorurteile, hinter denen man Vorwände sucht, gründen und großziehen. Daher ergeht denn meine besondere Bitte an E. W., falls Sie im Prinzip mit dem bisher Bemerkten übereinstimmen, sowohl die Mitglieder der Kommission als die hohe Versammlung des Landtages von der Ungerechtigkeit. und Zweckwidrigkeit der wesentlichen Bestimmung dieses lieblosen Gesetzentwurfes zu überzeugen zu suchen. Lieber noch das jetzige Chaos als die projektierte geordnete Iudenstraße. Auch kann ich mitteilen, daß ich bereits einem höheren königlichen Beamten, dessen Humanität und persönlichen Charakter ich hochschatze, mündliche Vorstellungen in dieser Sache gemacht habe, die hier und da im Ausdruck wohl noch schärfer gewesen, denn weder jetzt noch je, weder in Druckschriften noch im Leben werde ich die Prinzipien, für die ich lebe, verleugnen oder verheimlichen. Gott erhalte Sie zum Wohle Deutschlands und aller, die Ihnen teuer sind. Mit großer Hochachtung und inniger Verehrung E. W. ergebenster * Umschau Ein Völkerfrühling, ein Weltenlenz scheint sich anzuküudigeu und in froh entgegenlechzendem Verlangen beeifert die Menschheit sich ihm zuzustreben. Die Anzeichen für eine Wiederkehr des Friedens scheinen sich zu mehren. Der dreijährige! Krieg, der an Verwüstung und cm Opfern den dreißigjährigen weit, weit hinter sich läßt, dieser dreijährige Krieg, der die beteiligten Länder nahezu sieben Millionen junger, blühender Män-