Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Bedenkliche Wege
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 164 (sequence 4)
- Language
- German
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164 Im Deutschen Reich, breitet war* *). Oder will er gar andeuten, daß. die gehässige Beschuldigung, das Kolnidregebet mache im voraus gerichtliche Eide ungiltig, berechtigt sei? Dazu dürfte er doch zu viel von jüdischer Lehre und jüdischem Leben wissen. Ist es ein Verbrechen, wenn man im Kampfe für eine gute Sache im guten Glauben irrt? Spricht das gegen die Sache oder gar gegen ihre Verteidiger? Es scheint doch, als ob Bischofs nur durchaus den Eentralverein herabsetzen will und deshalb ebenso wenig wählerisch in seinen Waffen ist, wie es dieser nach ihm angeblich sein soll. Mit seinen Vorwürfen hat er noch weniger Glück als mit seinen finanz-politischen Weltverbessungsplänen. F. G. & Deutschtum und Judentum*). Die deutsche Kultur ist kein einheitliches Gebilde. Die verschiedenen Rassen- und Religionsgemeinschaften haben zu ihr beigetragen. Germanen und Slaven nebst Einschlägen anderer Stämme in innigem Gemisch, Protestanten, Katholiken und Juden arbeiten auf deutschem Boden an dem großen Werk. Jeder einzelne Teil trägt seine Bausteine herbei, die in Form und Material die Eigenart ihrer Verfertiger verraten, die sich aber fest und einheitlich zusammenfügen. Das gewaltige Gebäude verdankt dieser Verschiedenheit seine reiche Pracht. Die äußere Bedeutung der deutschen Kultur liegt in ihren so mannigfach verschiedenen Quellen, die innere Kraft beruht darauf, daß alle Einzelbeiträge, so verschieden sie sein wögen, sich ohne Schwierigkeit in das Ganze einfügen. Zu den Trägern deutscher Kultur gehören auch die Juden, und die Bausteine, die sie zum Werke liefern, tragen natürlich das Gepräge ihrer Gemeinschaft. Es fragt sich nun, ob der umfassende Wert, das Deutschtum, den Beitrag des Judentums restlos und ohne Schäden aufnimmt, oder ob vielleicht im Wesen des Judentums etwas begründet ist, was mit dem durch das Zusammenwirken aller anderen Teile gebildeten Begriff *) Entstanden ist der sehr begreifliche Irrtum aus einer falschen Aebersetzung des Wortes Abarjanim („Aebertreter" i. e. des Gesetzes), das sich in der Einleitung zum Kolnidre findet. Wan deutete es als „Aebergetretene". *) Deut s ch t u m u n d Judentum mit grundlegenden Betrachtungen über Staat und Internationalismus von Prof. Hermann Cohen, Geh. Regierungsrat. Verlag von Alfred Töpelmann in Giessen- 1916. (Aus der Sammlung „Von deutscher Zukunft" 1. Stück.) Die Anzeige, vor langer Zeit geschrieben und aus Raummangel zurückgestellt) erscheint jetztzeit gemäß, da umdie Eohensche Schrift ein Meinungsstreit sich entspann, in dem wir Mit -unserer Stellungnahme nicht zurückhalten dürfen.