Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Das Judentum und die Neuorientierung
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 161 (sequence 4)
- Language
- German
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Bedenkliche Wege.- 561 das muß er sich verbitten, er darf als Staatsbürger keine andere Behandlung erfahren, als die, welche ihm nach Necht und Gesetz zukommt. Das ist ja gerade der .Punkt, der ausschlaggebend im neuen Deutschland sein soll: gleiches Nech-t, gleiche EntwicklungsmöglichkeiLen für Deutsche aller Stände und Konfessionen. Der Jude wird dadurch sich mehr und mehr im deutschen Lande wirklich heimisch fühlen und aus seiner noch immer etwas exklusiven Stellung, an der die bisherigen judenfeindlichen Stimmungen und Praktiken die Hauptschuld tragen, herauskommen. Erst wenn man dem Juden gegenüber das Gefühl der Dolksfremdheit, an dem er selbst — wenn überhaupt — die wenigste Schuld trägt, losgeworden ist, wenn er sich so unserem ganzen Volksleben eingefügt hat, daß er nicht mehr als Jude auffällt, dann kann man von einer erfolgreichen Neuorientierung reden, lim dieses aber zu erreichen, ist es vor allen Dingen notwendig, daß endlich gegen alle antisemitischen Anwandlungen nachdrücklich vorgegangen wird. Ansere deutsche Sozialbewegung, wie überhaupt jeder kulturelle Aufstieg wird gefährdet, wenn die daran beteiligten Kreise, zu denen gerade die fähigsten Köpfe der deutschen Inden gehören, durch konfessionelle Hetzen im eigenen Lager gegeneinander aufgebracht werden. Dieses will man aber augenblicklich von feiten reaktionärer Kreise erreichen, und man ist eifrig bemüht, ein Zusammenarbeiten der Angehörigen der verschiedensten Konfessionen zu gefährden. Besonders aber sucht man mit dem Antisemitismus auf den Krebsfang zu Zehen. Die Gründe sind jedoch zu durchsichtig und besonders die organisierte deutsche Arbeiterschaft und ihre Führer, die das stärkste Interesse an einer lückenlosen Durchführung der Neugestaltung haben, werden in Zukunft nicht mehr auf diese Leimrute gehen. Sie werden jedoch für eine durchgreifendste Durchführung der Neuorientierung in Sachen des Judentums im positiven Sinne eintreten müssen. & Bedenkliche Wege. Dr. Erich Bischofs, der auf dem Gebiete jüdischer Wissenschaft viel gearbeitet und viel veröffentlicht hat, ist in die Arena der praktischen Politik hinabgestiegen und hat über die Ostjudenfrage ein Büchlein geschrieben. Ob seine Schrift, die er „Klarheit in der Ostjudenfrage" nensnst wirklich zu einer Klärung beiträgt, darf zweifelhaft erscheinen. Sie erhebt sich keineswegs über die Höhe der allzuvielen Broschüren, die Bischofs selber der Verdunklung in der Ostjudenfrage beschuldigt. Wögen darum auch seine Meinungen die fast überall von