Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 4 (April 1917)
- Article
- Jüdischer Religionsunterricht an höheren Lehranstalten
- Date
- 1917-04-01
- Page
- 158 (sequence 3)
- Language
- German
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158 Im Deutschen Reich, Auf mir vorgetragenen Wunsch will ich in Erweiterung meines Erlasses vom 24. Januar d. I. — U II 6724/16 U II W — genehmigen, daß die Arterie der jüdischen Religionslehrer über die Leistungen der ihren Unterricht besuchenden Schüler (Schülerinnen) an den höheren Lehranstalten, für die jüdischer Religionsunterricht Mit Genehmigung des Königlichen Provinzialkollegiums besteht, unmittelbar in die regelmäßigen Schulzeugnisse sowie in die Abgangs-, Schluß- und Reifezeugnisse aufgenommen werden, so daß es der Beifügung eines besonderen ^Zeugnisses des Religionslehrers und des ausdrücklich ausgesprochenen Wunsches der Eltern dazu nicht bedarf. Die erforderliche Anzahl von Abdrücken ist beigefügt. gez. Trott zu Solz Hierdurch ist endlich die schlimmste Bestimmung beseitigt, indem die Religionsnoten, gleichgültig, ob Schüler und Eltern es wollen, in alle Zensuren, also auch die Abgangs - und Abiturientenze ugnisse, ausgenommen werden müssen. Man darf sich natürlich über den Wert der Verfügung nicht täuschen, denn die Gleichstellung, die sie bringt, ist rein äußerlicher Natur. Prüfungsgegenstand — insbesondere bei der Reifeprüfung — ist die jüdische Religionslehre nicht geworden, und an der unwürdigen Stellung dieses Faches im inneren Unterrichtsbetriebe ist nichts geändert. Die Frage ist aber damit wieder aufgerollt, und hoffentlich bleibt sie im Brennpunkte der Interessen und der Bemühungen um Gleichberechtigung. Wie für alle Gebiete unseres Staatslebens kann es auch für den jüdischen Religionsunterricht nur die eine einzige befriedigende und würdige Lösung geben: Völlige Gleichstellung mit dem Religionsunterricht der christlichen Bekenntnisse! F. G. 'M Das Judentum und die Neuorientierung. Von einem christlichen Gewerkschaftler. Es ist noch gar nicht so lange her, daß es hieß: ,,Fch kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche." Wir alle wissen uns noch mit kinematographischer Genauigkeit der Bilder vom August 1914 zu erinnern, als mit einem Schlage die in der letzten Zeit vor dem Kriege besonders scharf in die Erscheinung tretende Konfessionalität eine wesentliche Einschränkung erfuhr und die nationale Idee, das Gefühl der volklichen Zusammengehörigkeit, Gegensätze überbrückte, die nur in der Unwissenheit und dem Mißverstehen ihre Ursuche hatten. Der Hauch einer neuen Zeit, in welcher alle Staatsbürger als völlig gleichberechtigte Deutsche anerkennt werden, wehte durch die Lande. Ehrlich und ernst denkende Volksgenossen erstrebten eine Neuorientierung in dem Sinne, daß alle die Mißhelligkeiten, die es einzelnen Volksgruppen bitter schwer mach-