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Im deutschen Reich · 1917-03-01 · Heft 3 (März 1917) · p. 123

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 3 (März 1917)
Article
Erfahrungen aus meiner Werbetätigkeit
Date
1917-03-01
Page
123 (sequence 3)
Language
German
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Erfahrungen ans meiner Werbetätigkeit. 123 jtciff-, au dem er leichl zi: fassen ist. Gelingt es uns durch eine gewisse Hebung, jene Stelle zn iressen, so erreichen wir bestinnnt unseren cjutcu Zweck. Hns Werbern für den Centralverein ist es irr diesem. Acoment besonders leicht gemacht, unter unseren GlaubensgLnassen Anhänger und Freunde für unsere Sache zu finden. Mir brauchen nur das Wort „Indenzählung", dies böse Wort, das uns noch tief am Herzen frißt, ansznsprechen, um sofort Verständnis und Zustimmung zu erlangen. Jedem Inden treibt die Entrüstung über diese unselige Statistik das Blut in die Wangen uub alle, die im Feld und die in der Heimat, werden noch lange au dieser bitterer: Pille zu schluckeirr. haben» Gerade der Hinweis ans die Tüchtigkeit des Centralvereins gegenüber der Iudenzählung im Heere und in der Abwehr sonstiger Anfeindungen genügt, um uns neue Mitglieder znznsühren. Selbst mancher Optimist unter uns hat der: Glauben ausgegeben, daß das Wort unseres Kaisers: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche" auch in bezug auf uns Juden praktisch gelten soll, daß die Opfer, die wir Juden ^an Gut und Blut irr diesen: Kriege. brachten und noch bringen, jene gehässige:: Stimmen zun: Schweigen bringen, die in uns nach wie vor den Fremdling sehen wollen. Selbst in: Zeichen des Burgfriedens wagt sich die antisemitische Gehässigkeit gegen uns iu schamlosester Weise vor. An uns liegt es nun, uns schon jetzt vorzubereiten für die noch schlimmeren Zeiten, die nach dem Kriege anbrechen werden. Da ist es in allererster Linie der Centralverern, der mit seiner Fülle sorgfältig gesammelten Materials, mit einer inrposanten Mitgliederzahl zur Stelle sein muß. Je mehr Anhänger wir gewinnen, desto stärker wird der Eindruck sein, den unser Borgehen auf die Allgemeinheit machen muß. Es ist Ehrensache aller Inden, welcher religiösen Richtung sie angehören mögen, in: Karnpfe gegen unseren inneren Feind, der: Antisemitismus, genau so einmütig und entschlossen vorzngehen, wie' im Streite gegen unsere zahlreichen äußeren Gegner. Der Centralverein muß schon jetzt zu dieser Fehde rüsten. Sollten die antisemitischen Hetzer ihr wüßtes Treiben doch noch einstellen (was stark zu bezweifeln ist!) wohlan, umso besser für uns und sie —. bleibt es aber bei ihrem bisherigen Vorgehen, so gilt auch für uns das Wort des Reichskanzlers : „Bum Frieden bereit, zum Kampfe entschlossen!"

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