Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Article
- Ein Geschichte des Talmuds
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 73 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316864-2316866-2351514--26767-2351651- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Eine Geschichte des Talmud. 73 hing m\b Ordnung aller <rltererbten Lehren, Gebote, Erfahrungen- und es lvar ihm vergönnt, burd) 52 Jahre, während deren eV die Hochschule von Sura leitete, an diesen Werke zu arbeiten. An Angriff genommen war eine Sammlung schon vorher, im vierten Jahrhundert, in Jerusalem, aber die vollständige und jiuunft im Gebrauch stehende Allsgabe ist die babylonische. Eine rornantisch-abenteuerliche Schicksalstoendung war's, die den Hauptsitz talnrudischer Gelehrsamkeit und Forschung mit einem Schlage aus dein babylonischen Exil, in dem sie durch viele Jahrhunderte geblüht hat, ins Abendland verpflanzte. Die gelehrten Häupter der hohen Schule Babylons machten sich auf bcu Weg, um im Abendland Teilnahme unb Mittel für ihre Lehranstalten zu tverben. Ihr Schiff fiel Seeräubern in die Hände, und die ehrwürdigen Gelehrten wurden gefangen geuommen. Die schöne Frau des Rabbi Moses ben Ehanoft stürzte sich ins Meer, um den Nachstellungen des Piraten- Kapitäns zu entgehen, Rabbi Moses aber gelangte nach Eordova,- wo er Begründer der 2mfnnibd)nfc* und der Blütezeit jüdischer Wissenschaft in Spanien wurde. Bietfach in Gemeinschaft mit den Arabern schufen sie der Philosophie, der Mathematik würdige Pflegestätten und Dichter wie Jehuda Halevi, Jbn Gabirol begründeten die klassische Zeit der Poesie. Wieviel hochstrcbende Geister im Zuge der Jahrhunderte noch all der Erweiterung, Erklärung, Durchforschung des Talmuds sich betätigten, das mag rnan in dem gehaltvollen Buche Nachlesen. Feslznstetten bleibt uns: In bcu 613 Geboten und verboten von verschiedener Bedeutung und Geltung ist keines, aber auch gar keines, das den Moratgrundsätzen unserer Zeit auch nur im leisesten widerspricht, dagegen entsprechen viele unsere:: geläuterten, unseren strengsten und höchsten Moral-Begriffen. Bor affcm aber ist immer wieder sestzuhatten: die Staats- und Landesgesetze werden überall den göttlichen oder Glaubens-Gesetzen an Geltungslraft gleichgestellt, ihre Beachtung wird streng gefordert. Wenn aber die Verleumdung gelegentlich das Judentum als vom Geiste des Talmuds nachteilig beeinflußt darstellt, so ist demgegenüber mit gerechtem Bedauern entgegenzuhalten, daß, leider, die heutigen Juden in ihrer großen Masse den Talmud fast so wenig kennen, in ihm so wenig je gelesen haben, wie die Antisemiten, die ihn immer wieder vorreiten. Es wirkt ungesehr, wie wenn rnan bcu oberbayrischen oder masurischen Bauern verwerfen wollte, sie. seien zu sehr von der Philosophie Hegels angekränkelt. Professor Stracks Einführung in den Talmud wendet sich mehr an die Fachkreise und an die Gelehrtenwelt. Das schlicht volkstümliche, kleine Buch Or. Retters wird jedem Leser viel Aufklärung und Belehrung, eine Fülle des Wissens-