Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1917)
- Article
- Ein Geschichte des Talmuds
- Date
- 1917-02-01
- Page
- 72 (sequence 2)
- Language
- German
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Im £VnffJf»en Neich. luidfimn, das Si'ejcit, die Sendung des Tauuuds darstellt. „Ge-- s eh i eh t e de s T a l m n d s" tunt Dr. N. dl c 11 e r , Oberrabbiner von Lothringen (Im Selbstverläge des Verfassers, Metz 1016 ), nennt sich die Uoütc Schrift, hic ttus viel aufllärendes wissen vermittelt, lieber viele Jahrhunderte erstreckt sich der Ansbau des Talmuds, der mamRgsacheu ^iuccl'cu enl^recheit soll, an dem die grvstten jüdischen Gelehrteu vergangener Zeiteri mit- <gewirlt haben und der all ihren Wissensbesitzalle oft wider-- sprechenden Anssassnngen und Lehrmeiuuugen in sich schließt. Darum ist sein Wesen anch schlver zu keimzeichueu.?lls eine „Euzvllopädie des jüdischen Wissens" spreche)! viele den Talmud an, eine Gesetzessammlung nennen ihn andere, als eine Niederschrift über gelehrte Meiunngskäiiipse loird er angesehen — er ist das alles und auch immer wieder noch etwas, anderes. Man fühlt sich an die alle Anekdote vorn Kultusbeamten erinnere, der dorn verhörenden Richter erklären soll, was ein „Schosar" ist, „Eine. Trontpel", sagte er endlich in seiner Verlegenheit. „Warum sagen Sie also nicht gleich eins Trompete?" „Is es denn a Trompet?" Die einst so fruchtbare Tiefebene zwischen Euphrat nnd Tigris, der jetzt lvieder die gespannte, die regsaure Aufmerksamkeit weiter Kreise der Judenheit sich zurvendet und die, ehedem das Land des babhloniscbeu Exils — jetzt wieder, wie zu Abrahams Zeilen, sich gastlich he iumts tüchtigen Inden öffnen soll — ist auch die Urheimat des Talmuds. Ans Babhlons hohen Schulen eulstauunt das merllvürdige, bäuderreiche und schicksalsreiche Werk, das eine Art Reichsbank des geistigen (Goldschatzes von Israel birgt, die verlcnmdetste aller Büchersnmmlnngen, mn berentiintlcn die Inderr im tzkaufe der Zeiten viel gelitten haben. Ursprünglich eine Niederschrift der mündlichen Ueberlieferungen, nach dem Fall des jüdischen Königreichs und angesichts der beginnenden Zerstreuung der Juden eine Einspeicherung oder Verpackung der noch ungeschriebenen Lehren, Bräuche, Anschauungen, ist der Talmud nach und nach ein Magazin des Wissens geworden. Eine Registratur der Anschauungen, eine Sammlung der Rechtsanffassungen, die schon darin, daß sie sich oft widersprechen — es ist eben unparteiisch die Meinung des einen belehrten wie die des anderen aufsienommen , dartun/ daß es sich nicht um bindende Gesetze handelt. In einem aber sind alle Rabbinen gleicher Meinung, und dies wirft alle Lügengespinste derer über den Haufen, die arts der Fülle ihrer tiefgründigen Unwissenheit den Talmud verleumden, den sie. nie gesehen und in dem sie keinen Buchstaben lesen können: die Gesetze des Staates, in den: wir leben, gehen den Geboten des Talmuds vor („ D i n a cl c m n 1 c h u t h a d i n a " Das Staatsgesetz ist oberstes Gesetz). Zit Anfang des fünften Jahrhunderts begann Rabbi Aschi, das Riesenwerk der Samm-