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Im deutschen Reich · 1917-01-01 · Heft 1 (Januar 1917) · p. 34

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
23 (1917)
Issue
Heft 1 (Januar 1917)
Article
Der Landesverband Pfalz
Date
1917-01-01
Page
34 (sequence 2)
Language
German
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34 Im Deutschen Reich, Eentralvereins. Ihre Ausführungen laugen aus in die emdring^ liche Mahnnrtg, die vorhandene Organisation zu vertiefen und' weiter anszubanen. Die interessante Diskussion, an der sich die Herren Direktor David-Renstadl, Drcyfnß-Landau, Prof. Heinemaun-Lndwigshafen, Ren-Pirmasens beteiligter:, ergab völlige llebereinstimmung mit den An-Ffnhr ungen der Referenten. Zum. nächsten Punkt der Tagesordnung erchattete Herr oufut Blum-Rcustadt einen Bericht über die -Organisation in der Pfalz. Seine interessanten, mit allgemeinem Beifall anfgenommenen Darlegungen gipfelten in einer -Reiche wichtiger Leitsätze, die einstimmig zum Beschlus; der Versammlung erhoben wurden, In der darauffolgenden Porstandswahl wurden gewählt: die Herren: Rechtsanwalt Dr. Schulz, Jacob Weil in Franken!!) ^l, Dr. meä. Dann« heißer und Mar Drehsnß in Landau (Psalzst Mathematiker Bürger. Rechtsanwalt Dr. Schulz «in Ludtoigsbafen a. Rh., Rabbiner Dr. Weyl, 'Adolf Mn hm, Rechtsanwalt Dr. K ^chr in Kaisers lautern, Rechtsanwalt Dr. Levy. Rloritz Reu in Birmasens, Herrn (voLisch alk in Kirn, Lehrer Epstein in Hoppstädten, Direktor Theodor David in Reustadt a. H.» Sigmund Dreyfnß in Speyer, Leo Hirsch in Homburg, S. Landauer in Rülzh-einr. Die Juden inr neuen j?olen. Professor D. S i m omr s e ut in Kopenhagen, der seit Jahrzehnten in allen allgemein-jüdischen fragen eine führende Rolle spielt, veröffentlichte in „Berlinske Tidende" kürzlich einen Artikel, der sich mit dcr brn'al antisemitischen Politik der Polen besaht. Mißhandlungen. uuD unbegründete Verhaftungen von Juden, sogar Prügelstrafen an jüdischen Kindern und Frauen sind an der Tagesordnung. Bei der Verteilung kommunaler Arbeiten schloß der Rlagistrat Warschaus die Juden fast vollständig aus, indem er unter 11 000 von der Kommune beschäftigten Arbeitern nur 300 Inden anstellte. (Hierzu muß man wissen, daß die Inden fast vierzig Prozent der Einwohnerzahl Warsckrans ausmachcn!) llnter den vielen Hunderten von Beamten der Warschauer Sürdtverwaltung befinden 'sich kaum zwei oder drei Juden. Sogar die freie Religionsausübung. die von der -russischen Regierung niemals angetastct wurde, scheint den Juden im neuen Polen nicht sicher zu sein. So verbot die Stadtmiliz den Juden, in den Höfen Laubhütten anszn st eilen, indem man plötzlich erklärte, daß hierfür zunächst mit einem schriftlichen Gesuch die Erlaubnis des Magistrats eingeholt werden, müsse. Für jedes Gesuch wurde eine Stempelsteuer in Hobe von zwei Rebeln verlangt, ein Betrag, von dem eine jüdische Familie in Warschau heute eine ganze Woche lebt. <£inc ganze Anzahl, von. Laubhütten würde von' der Polizei niedergerr'fsen, die mit den Tisch versammelten. Familienmitglieder wurden. hinansgeworsen und bestraft. Auf den Protest des Rabbinates hin! erklärte der Magistrat, oas sei auf Verlangen des deutschen Polizeipräsidenten hin geschehen. Als man sich an diesen pmndte, 'stellte es sich. Heraus, daß er nicht \ba£ Geringste von diesem Bebergriff mußte, und es war erst dem Einschreiten der d-e n tich e rr B e h ö rd e n zu verdanken, daß das Verbot aufgehoben wurde. Das Gesuch der Jüdischen Gemeinde Warschaus an den Magistrat, man möge ihr 30000 Rbl. monatl. für die jüdischen Volksküchen bewilligen, wurde in derselben Sitzung abgelehnt, Pr welcher der Magistrat eine halbe Million Rubel für' die polnischen Volksküchen bereitstellte. Alle diese Dinge kamen in der Budgetdebatte des Warschauer Stadtrates zur Sprache, die jüdischen Mitglieder, die kaum drei Monate zuvor zum Zeichen des Entgegenkommens auf etwa die Hälfte ihrer Mandate vernichtet hatten,' verweigerten jetzt zum Zeichen des Protestes ihre Zusttmmnng zürn Budget.

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