Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 23 (1917)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1917)
- Article
- Schmoller unter den falschen Propheten
- Date
- 1917-01-01
- Page
- 3 (sequence 2)
- Language
- German
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Ü£rf)möfter unter den falschen PryphctoÜ. 3 [ic es glauben zu verdienen.Wie rasch haben die jüdischen Privatdozenten und Professoren zugenommen... Wie bewahrheitet sich Ln manchen Fakultäten die Prophezeiung, das; der erste jüdische Ordinarius in zehn Jahren fünf oder zehn andere nach sich ziehe.." „Wir sind für Rechtsgleichheit, wie Prellst, aber mir verzweifeln nicht, wenn irgendein großes Talent jüdischer Rasse noch nicht den für ihn passenden Ministersessel findet." Schmoller spricht hier von vr. Walther Rathenau: „Ich hätte gar nichts dagegen, wenn R. dieses Ziel selbst erreichte. Ich glaube aber, er hat jetzt dem Staate durch seine Tätigkeit soviel genäht, als wenn er ans einem Ministersessel säße." Die Zustände in der Armee braucht Herr v. Schmolter nicht zu kennen. Er braucht nicht zu . wissen, daß es sich nicht um „einzelne Regimenter" handelt, die Juden vom OsfizierkorpS ausschließen und daß im Gegenteil fein einziges Regiment sie aufnahm. Im Universitätswesen aber kennt Exzellenz v. Schmoller sich 'gewiß gründlich aus. Er weiß am besten, daß an allen preußischen UnLversitäte n z u s a m meng eit o m m c n noch nicht „fünf oder zehn ordentliche Professoren" wirten unb daß an fast aller; grundsätzlich der Jude vom Ordinariat ausgeschlossen bleibt. Dennoch konnte er, im Augenblicke guten und ehrlichen Glaubens, niederschreiben, was er selbst soviel besser weiß. So stark ist die Macht der antisemitischen Phrase und der von der Hehpresse unermüdlich wiederholten Tendenzlüge. Der frühere. Allgewaltige im preußischen Hochschulwesen Althof, sagte einmal freimütig, er für seine Person beklage es, daß manche rvertvolle und wünschenswerte Straft den Universitäten verloren gehe, weil charaktervolle Gelehrte cs verschmähen, ihren Glauben für das Linsengericht einer Berufung zu wechseln. Es feien aber, meint Althoff, zumeist die Fakultäten, die sich gegen die Berufung von Juden sträuben, und nicht die Regierung. Das loeiß Exzellenz v. Schmoller recht gut. Wenn Exzellenz v. S ch nr o t l e r sagt, daß in manchen Kliniken nur jüdische Assistenten zu finden sind, so muß da? gewiß richtig sein, obwohl uns solche Kliniken nicht bekannt sind. Aber sollen wir hier die Universitätskliniken' alte auszählcn, die jüdische Assistenten grundsätzlich nicht ansnehmen? Wir sagten eben, Exzellenz v. Schmoller weiß sehr gut, daß an alten preußischen Universitäten znsammengenommen keine „fünf bis zehn ordentliche Professoren" wirken. Aber etwas, was Herr v. Schmoller wahrscheinlich nicht weiß, das wollen wir ihm verraten. Tine Umfrage bei jüdischen Dozenten würde die vollste Bestätigung unserer Mitteilung ergeben. Wer immer die von Schmoller erwähnte „Prophezeiung" von den „fünf oder zehn Ordinarien", die der erste jüdische ordentliche Professor nach sich ziehen würde, wer immer auch, sagen wir,