Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Julius Stettenheim gegen den Antisemitismus
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 265 (sequence 2)
- Language
- German
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Julius SLettenheim gtzgen den 'AuiisemitiZmu§. 266 Ein überzeugungstreuer Jude, geißelte er in Wort un8 Schrift, namentlich in seinem Witzblatt „Berliner Wespen"^ das Treiben der Anüsemiten m huniloristisch-satirischen Rarrd» glossen. Man darf behaupten, daß der leuchtende und überlegene Humor» der diesem Meister des Scherzes, der Ironie und des Sarkasmus in so reichem Maße eigen war, die unlauteren; Absichten der Antisemiten noch Heller aufzeigte und ihre Kreise noch gründlicher störte als manche ernsten Abwehrartikel und Beden. Es dürfte daher gut sein, einiges aus der humoristischen Werkstatt Julius Stettenheims in Erinnerung zu bringen. Diese kurzweiligen Bemerkungen des Großmeisters des deutschen Humors sind auch noch jetzt von allgemeinem Interesse. Wahrend manche andere hervorragende Humoristen und Satiriker jüdischen Stammes, wie z. B. Moritz sGottlieb Saphir, Heinrich Heine, Ludwig Börne, Eduard Maria Oettinger usw., vom Glauben ihrer Vater sich abkehrten, blieb Julius Stetten* heim ihm treu und zögerte niemals, sich öffentlich als deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens zu bekennen. Ein Vorkämpfer für politische Rechte und Freiheiten, ein Pionier der Glaubens» und Gewissensfreiheit, führte er auch die Sache seiner Glau-i bensgenossen mit Wärme und Ueberzeugungstreue. Die Form, in der dies geschah, war stets eigenartig und belustigend. Hier nur einige dieser seiner Bemerkungen.*) „Mso predigt ein längst verstorbener Antisemitenführev: LeE dich Lügner nennen zu hören ohne zu klagen."*) „Man sehe Lueger in den Sattel, herunterfallen wird er schon selbst." „Merkwürdig, noch haben die Antisemiten da§ Hohe Lied Salo- Monis nicht Gassenhauer genannt." „Dem Jilden nimmt man heute auch die komische Nase krumm." — Als vor 25 Jahren mein dem katholischen Glauben an» 'gehöriger Freund und Kollege Josef Schratten holz seinen „Antisernitenhammer", eine der merkwürdigsten Anthologien in der Weltliteratur, herausgeben wollte, wandte er sich an mich mit der Bitte, meinen langjährigen Freund und Kobs legen Julius Stettenheim zu veranlassen, ihm einen Beitrag zu seinem Sammelwerke über den Antisemitismus zu liefern. Mit Vergnügen ging unser Humorist auf diesen Wunsch ein und sandte dem Herausgeber die nachstehenden Worte, die in ihrer Knappheit und Schlagkraft den Kern 'des AnttsemitismuL treffen. Er schrieb: *) Dgl. Tausend Eltk- und Zweizeiler, 1W6, DerlaE 8o8 FrWLL