Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 258 (sequence 3)
- Language
- German
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258 Fnr' Deutschen Reich« die Leistungen der jüdischen Aerzte im Kriege hervor und der Beteiligung jüdischer Männer und Frauen an der Kriegswohl» fahrtspflege und an der sozialen Fürsorge. Darum sei es unerhört, daß man die Juden entrechten will, eine Versündigung an dem guten Geist des deutschen Volkes. Stürmischer Beifall lohnte die Ausführungen des Redners. Der Korreferent, Landstagsabgeordneter Iustizrat Walbst ein, bezeichnete es als eine Pflicht nicht bloß der Juden, gegen die Verunglimpfung eines «Teils des deutschen Volkes Verwahrung einzulegen. Wenn manche Juden meinten, man solle die Opposition gegen die Statistik unterlassen, um nicht den Eindruck hervorzurufen, als ob man etwas zu verbergen hätte, so dürfte das deutsche Volk, ein deutscher Volksvertreter einen solchen Standpunkt nicht vertreten. Jeder habe seine Pflicht zu erfüllen; welchen Glaubens er sei, gehe niemand an. Das jetzige Verhalten des Zentrums stehe in Widerspruch zu dem von ihm seinerzeit eingebrachten Toleranzantrag. Wie es den Deutschen schlecht gehe auf dem internationalen Bewertungsmarkt, so gehe es den Juden schlecht auf dem inneren Bewertungsmarkt. Der Staat begehe Selbstmord, wenn die eigenen Organe seine Gesetze, seine Verfassung nicht achten. Es entspreche auch einem internationalen Bedürfnis des Deutschen Reiches, daß in Deutschlaitd und Preußen Gesetz und Recht gelten. Möge unser auswärtiges Amt aus diesem Gesichtspunkt die Dinge betrachten. Er glaube, daß der auf Neid und Mißgunst verankerte Antisemitismus nicht so leicht verschwinden werde, zumal große Parteien ihn als Mittel für ihre Zwecke benutzten. Dem Antisemitismus gegenüber gebe es «aber nur ein Mittel: weiter seine Pflicht zu tun, den Blick auf das groß« Vaterland richten und dafür sorgen, daß aus den Schrecken des Krieges ein ehrenvoller, dauernder Friede nach außen und nach innen'hervorgehe. Nachdem sich der stürmische Beifall gelegt hatte, knüpfte sich an beide Vorträge eine Debatte. Mit einem von Herrn Hirsch-Mannheim ausgebrachten, vor der Versammlung mit jubelndem Beifall aufgenommcnen Hoch auf den Vorsitzenden, Abg. Gothein, fanden die Verhandlungen ihren Abschluß. '* Die Rede des Reichstagsabgeordneten vr. ßaas (Baden) in der Sitzung vom 3. November, diese männlichfreimütige Und in den wesentlichen Punkten treffende Kritik der Iudenzählung im Heere, hat int Reichstag guten Eindruck gemacht und hat im ganzen Lande lebhaften Widerhall geweckt. Ganz besonders hat sie als Ausdruck des patriotisch gesunden deutsch-jüdischen Empfindens bei den