Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1916)
- Article
- Die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus
- Date
- 1916-11-01
- Page
- 257 (sequence 2)
- Language
- German
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Die Gemralverscnnmlung des Vereins zur Mtyehr usw. 257 verdient gemacht haben, in ehrenden Worten gedacht hatte, erstattete der Schatzmeister, Landgerichtsdirektor a. D. Kanzow, M. d. A., den Kassenbericht. Sodann sprach Bergrat Gothein über das Thema: „Diß Juden im Heere". Ohne Unterschied der Konfession sei man mit Begeisterung in den Kampf gezogen, um ein Vaterland zu erstreben, frei nach außen, frei im Innern. Groß sei die Zahl der jüdischen Freiwilligen gewesen. Wir müßten denen danken, die für das Vaterland ihr Leben geopfert, aber auch denen, die den Gedanken der Völkerverständigung vertieft haben, wie dem auf dem Felde der Ehre gebliebenen Ludwig Frank. Aber der proklamierte Burgfrieden habe nicht lange vorgehalten. Die böse Saat des Antisemitismus sei wieder aufgeschossen. Man habe den Juden ihre Kampsesfreudigkeit bestritten und sie zurückgesetzt. Vorgesetzte, die ihre Untergebenen nicht gleichmäßig behandeln, versündigten sich am Geist vom 4. August 1914. In mancher Beziehung sei es ja besser geworden, zirka 1500 jüdische Offiziere seien ernannt worden. Die jüdischen Soldaten hatten im vollsten Maße ihre Schuldigkeit getan, über 8500 Eiserne Kreuze 2. Klasse und über 80 1. Klasse seien ihnen verliehen worden. Tausende von Toten und Verwundeten hätten sie aufzuweisen. Und angesichts solcher Blutzeugen seien sie in meist anonymen Denunziationen als Drückeberger hingestellt worden. Statt die Denunziationen in den Papierkorb zu versenken, habe der Kriegsminister Wild v. Hohenborn sie gewürdigt und die konfessionelle Statistik angeordnet, was tief bedauerlich sei. Eine antisemitische Absicht habe gewiß nicht Vorgelegen. Aber der Minister sei sich nicht darüber klar geworden, wie sein Erlatz wirken mußte. Der inzwischen erschienene zweite Erlaß könne die üble Wirkung des ersten nicht aufheben. Redner kritisierte des weiteren den in der Reichstagskommission beschlossenen Antrag über eine in den Kriegsgesellschaften vorzunehmende Statistik, wobei sich übrigens die nationalliberalen Mitglieder in Gegensatz zu ihrer Fraktion gestellt hätten. Der Vorgang in der Kommission, sei eine grobe Angeschicktichkeit, eine Dummheit gewesen. Man hatte Bismarck zum Borbild nehmen sollen, der 1874 jede konfessionelle Statistik entschieden abgelehnt hatte. Eingehend erörterte Redner die hervorragenden Verdienste von jüdischen Männern der Wissenschaft und der Praxis, wie Walter Rathenau, Frank, Caro, Haber, auf dem Gebiete der Kriegsindustrie und erwähnte den Anteil der Juden an den Kriegsanleihen. An den Kriegsgewinnen seien Juden wie Christen beteiligt, der unheilige Goldhungcr sei konfessionslos. Nähmen nicht auch die christlich-germanischen Landwirte die Preise, die sie kriegen können? Ferner hob Abg. Gothein