Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Der "Badische Beobachter"
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 224 (sequence 3)
- Language
- German
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224 Im Deutschen Reich.' gestellt wird, daß die für die für die Kommunalverbände Lestellten Viehaufkäufer meistens Juden sind-, so ergibt sich aus dem Vorhergehenden, duz man es nicht bloß mit gerechten, sondern auch im allgemeinen volkswirtschaftlichen Interesse selbstverständlichen Maßnahmen der Behörden zu Lun hat, zumal da die bisherigen Viehhändler auch sachlich das Geschäft des Viehankaufes am besten verstehen werden." — Da die Schriftleitung des ,,Badischen Beobachter" am 2. Sep, Lember d. F. diese Zuschrift unverändert veröffentlicht hat, können sich ihre Leser selbst ein Urteil bilden, weshalb es uns nicht notig erscheint, auf die abschwächendeu Bemerkungen zurückzukommen, die sie, wie vorauszusehen war, anl das Schreiben der Vereinigung Badischer Israeliten geknüpft hat. Sie besagen nichts weiter als die Annahme der Schriftleitung, daß, wenn die Viehaufkäufer „etwas schonlicher mit den Bauern umgehen möchten und Miß, griffe einzelner unterblieben, es dem Landvolke gleichgültig sein würde, ob der Aufkäufer Christ oder Jude ist". Daß Mißgriffe einzelner Viehaufkäufer „dem Judentum« Antipathien erntragein findet der „Beobachter" offenbar in de? Ordnung — wir nicht! * — Pogrome in Rumänien. Dem „Berliner Lokal-Anzeiger-' wird aus Stockholm gemeldet: „In der Mehrzahl der rumänischen Städte in der Moldau inszenierten Rational istenkreise Pogrome, wogegen die russischen Vorbilder verblassen. Als die jüdischen Männer sofort zu den Fahnen berufen waren, zog der Mob in Jassy und rn Botoschani von Haus zu Haus und plünderte alle Familien, die ihrer männlichen Beschützer beraubt waren, aus. In Botoschani beteiligten sich am Raub auch Gendamnen. Mrgenö wurde versucht, den Pöbel zurückzuhalten. In Jassy, wo sehr reiche Juden wohnen, wurden die Frauen von zwanzig bekannten jüdischen Kaufleuten, deren Alanner im Felde stehen, als Geiseln genommen. Zwei Synagogen wurden von der Menge mit Steinwürfen zerstört. Gs wurde sogar der Versuch unternommen, sie anznzünden. Der Oberrabbrner wurde gezwungen, in lächerlichem Aufzug, allgemein verhöhnt, durch die Stadt zu Ziehen. In Galatz, in Vraila und in Fsmaila, wo sich russische Soldaten beteiligten, nahmen die Pogrome blutigen Charakter an. Hier leitete Milstär die Pogrome. Soldaten drangen in die Häuser, rissen Frauen und Greise heraus, beschuldigten sie der Deutschfreundlichkeit und Spionage und erschossen sie standrechtlich. Die zahlenmäßig geringe jüdische Bevölkerung in Crajova ist dezimiert? * Beschlagnahme antisemitischer Briesverschlußmarken. Die „Neue Freie Presse" berichtete am 11. September, daß, nach einer Mitteilung des Amtsblattes, der „Wiener Zettung", das Kreisgeeicht in Lestmeritz mit dem Erkenntnisse vom 3. d. M. me WeiteiDerbreitung der im Auslande gedruckten und verlegten Verscklußrnarken mit Aussprüchen über die Juden auf Grund des § 302 St.-G. (Aufreizung gegen Religionsgenossenschaften) verboten hat.