Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Der "Badische Beobachter"
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 223 (sequence 2)
- Language
- German
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Vermischtes. 223 Atujjtc in der Anstalt abgeliefert werden. In der c^ladt ließ sie her Kommunalverband, d. r. ein Jude-, per plötzlich '.im. Kriege Getreidesachverständiger geworden war, zunächst wieder zwei Stunden warten. Indessen der Kommunalverband so die Zeit seiner Schützlinge oder Opferlämmer — wie -man will — in Anspruch nahru«, gingen im ganzen Bezirk Offeu- Hurg-Land die Reben radikal an Äescherich zugrurrde, weil der Verband den nötigen Schwefel zu spät beschaffte und die Leute keine Zeit hatten zum Schwefeln! —i In anderen Bezirken hat man z. B. mit dem Biehaufkaufen die Bürgermeister, Vorstände her Bauernvereine oder andere Männer beauftragt, die das Vertrauen der Landleute genießen. Fm Offenburger Bezirk dagegen .hat man zu diesem Aznte so ziemlich ausnahmslos nur Juden ausgewählt. Die dringen jetzt in alte Statte und halten scharfe Kontrolle. Der Bauernverein hat nns aus den Händen her jüdischen Händler befreit, aber der Staat hat uns jetzt ihnen wieder ausgeliefert; und glauben sie, datz die Juden etwas tun, wo sie nicht viel verdienen? —* wie oft hört man jetzt dort soi fragen und sagen! Es geht ein stark antisemitischer Zug durch Heer und Volk; die Behörden sind nicht schuldlos daran, da§ dieser Zug sich andauernd verstärkt!" — Wir sind durch diesen Artikel veranlaßt worden, uns über die Verhältnisse zu erkundigen und haben fcstgcstellt, daß neben einem ftn 'Kommunalverband Offenburg beschäftigten Juden ein katholischer ^Bürger tätig ist und daß der Jude keineswegs etwa plötzlich im Kriege „Getreidesachverständiger" wurde, sondern sowohl in seiner Lehrzeit, als auch später in bedeutenden Getreidesirmen Jahre hindurch gearbeitet hat. In dieselbe Kerbe schlägt der vorerwähnte, am 17. August im „Beobachter" veröffentlichte Bericht, der nicht den Getreide- Handel, sondern den Viehhandel betrifft Und ebenfalls geeignet ist, m ländlichen Kreisen das Vorurteil gegen die Juden zu verschärfen. Die zu unserem Eentralverein gehörige Vereinigung Badischer Israeliten hat deshalb die Schriftleitung des „Beobachter" ersucht, eine Entgegnung aufzunehmen, die auch am 2. September d. I. im „Beobachter" erschienen ist und wie folgt lautet: . „Es ist sehr anerkennenswert, daß die Redaktion eine Verstärkung des leider noch vorhandenen Antisemitismus als nicht im Interesse der Geschlossenheit und des Ansehens des deutschen Volkes gelegen ansieht, aber gerade die Behandlung der Angelegenheit in dem Artikel vom 17. August zeigt, wie es — sobald Juden in Betracht kommen — so leicht an der notwendigen Objektivität des Arteils fehlt. Wer hat vor dem Krieg Und bisher während des Krieges den Ein- und Verkauf besorgt? Doch die Viehhändler. Wenn nun im dringenden Gesamtinteresse der Einkauf von .Vieh und die Wiederabgabe desselben an die Verbraucher. staatlich zentralisiert worden ist, wer hat den Nachteil davon? Doch die Viehhändler, denen damit nicht mehr und nicht weniger als ihre Erwerbsmöglichkeit genommen wurde. Wie ist denn vom Standpunkt der Gerechtigkeit nicht nur, sondern auch des volkswirtschaftlichen Interesses die Erhaltung zahlreicher gefährdeter Existenzen zu versuchen? Soweit es nur immer möglich ist, dadurch, daß man staatlicherseitS die bisherigen selbständigen Viehhändler zu Vichaufkäufern des 'Kommunalverbandes macht. Wer waren in Baden die bisigen Viehhändler? Fast durchweg Juden. Wenn nun fest-