Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- Das amerikanische Judentum und der Krieg
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 218 (sequence 8)
- Language
- German
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218 Im Deutschen Reich Zu bemerken wäre noch, daß auch Professor Eliot früher ein Bewunderer der jetzt von ihm so feindselig behandelten deutschen Kultur war. .Kurz vor Ausbruch des Krieges hat er gelegentlich der Vollendung eines monumentalen Werkes, „Deutscher Klassiker in englischer Sprache", in öffentlicher Rede Deutschlands Größe auf den verschiedensten Gebieten verherrlicht und hervorgehoben, wieviel die ganze Welt, insbesondere die Vereinigten Staaten, deutschem Geiste schulden. Eliots Freundschaft für England ist aber ebenso erklärlich, wie Herrn Schiffs unerschütterliche Deutschlandfreundlichkeit. Der Herr Professor sagt sich: ,,Nicht daß ich Caesar weniger liebe, ich liebe nur Rom mehr." Das englische Motto ist ja: „My countrv — right or wrang". Ebenso wie Schiff haben zahllose andere Persönlichkeiten versucht, der deutschen Sache mit Wort und Tat zu nützen; manche arbeiteten öffentlich, andere wirkten im Stillen. Da aber Deutschland durch die englische Blockade abgeschnitten war, hatten seine Freunde keine Möglichkeit zu helfen. V.-St.-A * Die Russen in Galizien. In der letzten Nummer des amtlichen „Hilfsberichts" des Allrussischen Verbandes der Städteorganisationen in Rußland (Semstwo-Verband) finden wir eine Reihe betrübender Mitteilungen über die Lage der jüdischen Bevölkerung in den von den Russen besetzten Teilen Galiziens. Die materielle Lage, sowohl der vertriebenen als auch der Ansässigen Bewohner, hat sich sehr verschlechtert. Das absolute Verbot der Bewegungsfreiheit, die Unmöglichkeit, nach den Handelsstädten zwecks Waren-Einkaufen zu reisen, der allmähliche Aebergang des Handels von jüdischen in andere Hände, die Begründung der genossenschaftlichen Semstwo-Verkanfsstellen, zuletzt die bedruckende Steuerlast, oas alles hat den jüdischen Handel vollständig niedergeschlagen. Alle jüdischen Technisier sind geschlossen, treue zu eröffnen ist den Juden verboten, wodurch ein sehr wichtiger Ernahrungszweig der jüdischen Bevölkerung vernichtet wurde. In Borszow rst es den Juden verboten, auf den Straßen Brot zu verkaufen Mit der Begründung, daß sie es! ab gelehnt haben, auch am Sabbat Handel zu treiben. Sehr tranrio und jämmerlich ist die Lage der Handwerker, Die Speisehallen in Galizien werden von dem Semstwo- Verband unterhalten, deren Beamte aber den Befehlen der Militärbehörden unterworfen sind. Die Ausgabe von Fleisch ist längst eingestellt. Sehr selten, einmal wöchentlich, werden Fische verteilt. Das verteilte Brot ist Lanz minderwertig. Die. feindliche Haltung der Beamten in den Speisehallen gegenüber den Juden halt die jüdische Bevölkerung von diesen Speiseanstalten fern. Wenn es Juden gibt,>die sich doch an diese öffentlichen Speisehallen um Ernährung wenden, so geschieht es nur in Fällen, wo dem