Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1916)
- Article
- [Ohne Titel] / J. L.
- Date
- 1916-09-01
- Page
- 205 (sequence 8)
- Language
- German
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Die HauptsLelke für Berufsberatung! der Juden. 205 die Juden in Vergleich zur Ziffer der Gesamtbevölkerung stellt. Nun sind aber die Juden, nicht durch Ihre Schuld sondern infolge jahrhundertelangen ungerechten Zwanges, vorwiegend Stadtbewohner und Kaufleute. Würde eine Statistik diese klare Tatsache in Betracht ziehen und nur das Zahlenverhältnis der Juden innerhalb der Stadtbevölkerung bei Bemessung ihrer Anrechte und Anteile zur Grundlage ihrer Berechnungen nehmen, dann würden die Ziffern ein wesentlich anderes Gesicht zeigen, obwohl wir grundsätzlich die Berechtigung einer solchen Statistik bestreiten müssen. Das Können, nicht der Glaube, soll für die Verwendung der Kräfte bestimmend sein. „Freie Bahn für alle Tüchtigen!" Die tzauptstelle für Berufsberatung der Juden. Wie sich nach dem Kriege die politische und gesellschaftliche Lage der deutschen Juden gestalten wird, ob hier die Prophezeiungen der Optimisten oder der Pessimisten recht behalten, werden, läßt sich nicht voraussehen. Zweifellos fest steht aber schon heute, daß die wirtschaftliche Seite der Judenfrage nach dem Kriege eine erhöhte Bedeutung gewinnen wird. Deutschland mutz nach den großen Opfern, die dieser Krieg von ihm fordert, Menschenökonomie treiben, d. h. es mutz jeden einzelnen Staatsbürger an den Platz stellen, an dem: seine Kraft am besten für den Einzelnen und zugleich für die Gesamtheit verwertet werden kann. An dieser wichtigen. Aufgabe der deutschen Volkswirtschaft mitzuarbeiten ist Pflicht der deutschen Juden, der Gesamtheit wie jedes Einzelnen! Gerade deshalb gilt es, die Arbeit für eine gerechte Verteilung und Verwertung der jüdischen Kräfte innerhalb der deutschen Volkswirtschaft, die zugleich den Interessen des gesamten deutschen Vaterlandes wie der deutschen Juden entspricht, rechtzeitig aufzunehmen. So rückt das Problem der Berufswahl und Berufsberatung jetzt in das allgemeine Interesse. Ilm was es sich hierbei handelt, zeigt die Entwicklung in den letzten Jahrzehnten. Etwa bis 1870 war in Deutschland von der wirtschaftlichen Seite der Iudenfrage und von der Frage der Berufswahl überhaupt nicht die Rede. Die Berufstätigkeit der großen Masse beschränkte sich auf das Handelsgewerbe und in diesem wieder auf gewisse Sonderzweige und gewisse Zweige des Kleinhandwerks. Daneben fanden sich nur wenige Vertreter der gelehrten Beruföstände. Beamtenschaft, Landwirtschaft und Handwerk waren den Juden