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Im deutschen Reich · 1916-09-01 · Heft 9-10 (September 1916) · p. 198

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 9-10 (September 1916)
Article
Fritz Rahmer
Date
1916-09-01
Page
198 (sequence 3)
Language
German
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198 Im Deutschen Reich. Ausharrens mutzte er ins Lazarett. Sofort wieder hinaus, das war ihm heiß begehrte Losung. Nach kurzer Zeit erzwang eine Ueberanstrengung seiner Füße eine nochmalig« Lazarettbehandlung. Auch da erstrebte er nur eins: die Betätigung fürs Vaterland in unmittelbarem Kampf. Immer wieder klingt aus seinen Briefen der Wunsch hervor, ja nur auf gefährdetem Posten stehen zu können. Bezeichnend für sein ganzes Wesen waren die Briefe, die er aus dem Felde heimsandte. So schrieb er noch einige Tage vor seinem Ende nach Hause u. a.: „. . . Es gibt daher nur eins: vor seinem eigenen Gewissen anständig dazustehen als redlicher Mitkämpfer und nicht sich selbst mit Phrasen zu belügen. . .“ „Ich tue meine Schuldigkeit vollauf und etwas mehr, ohne mich vor irgend etwas zu drücken und freue mich, wenn ich bei Kameraden wie Vorgesetzten gleichmäßig beliebt und geachtet bin . . .“ Er schreibt noch zwei Tage vor seinem Tode auf dem Felde der Ehre: „Unser Zug kommt in den allervordersten Graben . . auf Hörweite, so daß cs sicher riesig interessant, wenn auch nicht ungefährlich werden wird; sei aber unbesorgt, ich bin absolut ruhig und ohne die geringste Angst, da man nur seine Pflicht und etwas mehr tun kann." Auf diesem Horchposten, kaum 50 Meter vom Feind, erreichte ihn, im dritten Jahrzehnt seines Lebens, der Tod durch einen Kopfschuß. Sein Ende war in seinem Sinne. Denn so hat er mit allem, was er geben konnte, seine Treue besiegelt. .Man spricht mit vollem Bedacht ein jetzt oft mißbrauchtes Wort, wenn man von seinem Tode sagt: Er durfte für Deutschtum und Judentum sterben. Eifern wir ihm nach in Treue, Gewissenhaftigkeit und Standhaftigkeit, in Kampfesfreude für Deutschtum und Judentum. Ein Denkmal, das mehr in seinem Sinne wäre, können wir ihm nicht setzen. Ludwig Holländer. M Umschau. Als ein Neujahrsgeschenk für die deutschen Juden, als unmittelbare Erfüllung der eben erst in brünstigen Gebeten zum Himmel emporgesandten Wünsche fiel am 28. Septeniber dieses Jahres das Kanzlerwort: „Freie Bahn für alle Tüchtigen, das ist die Losung." Am ersten jüdischen Neujahrstage war'S. In vielen hundert Tempeln und Bethäuseru war gerade für daS Glück unserer deutschen Fahnen, für den Ruhm und Steg unserer Heere gebetet worden, vielhunbert jüdische Prediger im wetten Reich« hatten eben in aller In-

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