Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1916)
- Article
- Die wirtschaftliche Entwicklung der Juden
- Date
- 1916-05-01
- Page
- 99 (sequence 2)
- Language
- German
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Die wirtschaftliche Entwicklung der Juden usw. 59 'Simon meinte, es empfehle sich, die Juden in dem besetzten Gebiet zu Landwirten heranzubilden l Folgende kurze historisch: Ausführung möchte dartun, ob dies- Empfehlung bloß „beherzigenswert", oder ob sie unbedingte Forderung, ein „Muß" für uns bedeutet. Jedermann weiß, daß die Juden nach ihrer Ansiedelung im Lande Kanaan ein vorwiegend Ackerbau treibendes Volk waren, während die vom Ackerbau verdrängten Ureinwohner sich mit um so größerer Kraft auf das Betreiben des Handels verlegten. Der Kananiter ist „der" Krämer. In diese Verhältnisse griff das neu auftretende Königtum machtvoll nmgestaktend ein. Besonders war die Politik Salomos eine ausgesprochene Handelspolitik. Der bisher für den eigenen Bedarf und zuletzt daneben für die königliche Hofhaltung produzierende israelitische Bauer wurde die gewinnbringenden Absatzgelegenheiten für seine Produkte gewahr; aus der Mitte der in patriarchalischer Sitte und in engbegrenzten Lebensverhältnissen dahinlebenden Bauern löste sich allmählich der weiterblickende, berechnende Geireidehändler. Die Wirkungen des erwachenden und durch den lockenden Gewinn angercizten Handelsgeistes sind aber tiefgreifend. Wo er einmal Platz griff, da fügte er, wie der Nationalökonom Gustav Schmoller ausführt, zuerst und hauptsächlich ein anderes Element in die Wirtschaftsführung ein; er stellte neben die Sorge der Familie für den eigenen Unterhalt den Sinn und Blick für Gewinn. Ehe Handel und Verkehr sich entwickeln, sind die Menschen eingeschlossen in die Bande der Familie, der Gentil», Dorf- und sonstigen Genossenschaften, in welcher jeder den andern kennt, jeder auf den andern Rücksicht nimmt, jeder dem andern hilft. Der Handel verwandelt das Wesen des Menschen. Deutlich können wir diese Tatsache an der nun folgenden Entwicklung des israelitischen Wirtschaftslebens Nachweisen. Wie in allen aufstrebenden Perioden, wo Unternehmungslust und Spekulation sich selbst überschlagen und zahlreiche wirtschaftliche Existenzen vernichten, wurde auch in Israel jetzt die Gewinnsucht durch die zahlreichen Lockungen mächtig aufgestachelt. Die Bedürfnisse des eigenen Volkes wurden von der Volkswirtschaft ganz außer acht gelassen. Die Ausfuhr wurde fieberhaft gesteigert, sq daß die Brotversorgung darunter litt. Früher hatte man die Sitte befolgt, für den Fall etwa eintretender Mißjahre Reserve» Vorräte zu halten, auch Katastrophen gegenüber — Erdbeben, Heuschreckenschwärme — suchte man sich so zu schützen. In diesem Sinne sagt Schalk (Staatsverfassung der Juden) von der Institution des Schemita und Iobeljahres: „Moses wollte, daß ein gewissenhafter Israelit nicht Geld, wohl aber Korn sammle, um von dem 'aufgesparten Vorrat in den Festjahren und in schlechten Jahren zu leben. Kannte er doch die Institution