Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die polnische Frage [Rezension]
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 94 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316857-2316859-2350520--26087-2350616- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
34 Am beukschen Reich'. einerseits für ganz Deutschlarrd, andererseits für die deutsche Judenschaft nicht erfreulich waren. Uebrigens sagt Grabowsky mit Rechtder Irrde ist in Polen kein Machtfaktor, wenn er auch numerisch bedeutend ist. Ganz anders sieht die Stellung der Juden in den baltischen Provinzen aus, wo sie „das Herrenvolk sind, .wo sie die sarrdereni Einwohner geformt haben". Trotzdem verkennt er nicht den Wert der Ostjuden für das Deutschtum. „Es ist kein Zufall, daß die Sprache der Inden noch heute im wesentliche aus dem deutschen Sprachgut besteht, das sie bei ihrem Fortzuge aus Deutschland mitgenommen haben. Wahrend sie dem Russen ganz frernd, den Polen halbfrnnd gegenüberstehen, verbindet sie vieles mit dem Deutschtum. Ihre Aktivität findet in der deutschen Willenskraft ein Gegenstück, ebenso ihr praktischer, auf das Wirkliche gerichteter Sinn. And je mehr der Deutsche der Aeuzeit eine harte Wirtlichkeitspolitik betrieb, desto mehr verstand ihn der völlig diesseitig gerichtete Jude. Als Ersatz für das Fehlen des metaphysischen Dranges ftiu> dem Juden starke ethische Triebkräfte verliehen. Auch dies ethische Moment knüpft ihn an das Deutsche. Völlig fehlt dem Juden der beim Polen so ausgeprägte sinnlich-ästhetische Zug» der ja auch beim Germanen weit zurücktritt hinter dem inneren Schauen, hat der Jude des Ostens im Deutschen seinen Helfer, so werden wir auf die ganz natürliche Anhänglichkeit der Ostjuden zählen können, wobei wir uns aber davor hüten wollen, direkte Germanisation unter ihnen zu betreiben. Das wäre weder, für uns von Vorteil, noch für sie. haben sie unser .Wohlwollen^ haben wir ihre Unterstützung, so ist das für beide Teile am wertvollsten/ Bon der rechten LösungderPolenfrage erhofft der Autor ersprießliche Ergebnisse für Oie I u d e n f r a g e. Als einzige Lösung der Polenfrage erachtet er die gemeinsame Herrschaft Deutschlands und Oesterreich-Ungarns über Russisch-Polen mit Ausschluß von Litauen und Kurland, ein sogenanntes Kondominium. Das von den Zentralmächten besetzte Polen soll unteilbar bleiben, die Zentralnrachte sollen die zivile und militärische Verwaltung -der besetzten Gebiete unter Zugrundelegung der jetzigen Verwaltungstrennung der von beiden Mächten besetzten Landesteile besorgen. Das Verhältnis Kongreß-Polens zu den Ientralnrächten soll sonach der Stellung Bosniens zu. Oesterreich und Ungarn analog sein, also eine polnische Provinz als Gemeinbesitz der beiden Mächte mit weitgehender Autonomie, mit gemeinschaftlicher Gesetzgebung, mit zentralen Instanzen, denen die gemeinsame Verwaltung untersteht, mit gemeinschaftlicher Staatsangehörigkeit oder besser gesagt Landesangehöriigkeit, mit weitgehendster Beteiligung der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied der Konfession an der Verwaltung der beiden Teile Polens. — Dies in kurzen Umrissen die fein durchdachte, scheinbar komplizierte, in Wirklichkeit aber einzig durchführbare, beide Zentralmachte zufriedenstellende Lösung eines Problemenkomplexes, dessen nähere Besprechung ich mir hier versagen muß.. Innerhalb dieser Gestaltung des polnischen Lebens weist er den Juden eine ihre Eigenart berücksichtigende Stellung an,