Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die polnische Frage [Rezension]
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 93 (sequence 1)
- Language
- German
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Vücherschau, Bucherschau. Die polnische Frage. Bon Dr. Adolf Grab o,w sky. Berlin 1910, Carl Heymanns Verlag. 108 Seiten. Preis 2 Grabowsky fd>il6cvi zirnächst die soziale Schichtung der Juden in Kongreß-Polen und geht zu der wichtigen Frage über, wie sich Deutschland gegenüber dieser kompakten Masse der Juden zu verhalten hat. Menu er auch mit Rachdruck die kolossale (Kluft zwischen Juden und Richtjuden Ln Russisch-Polen (sogar Galizien ist diesbezüglich fortgeschrittener) und die starke Vertretung der polnischen Juden im nicht ganz einwandfrei geführten Zwischenhandel feststellt, warnt er doch vor der oft geäußerten Meinung einer weiteren Stauung dieser Leute im Osten und einer völligen Absonderung dieser großen Masse von der Kultur des Westens, da sie für die europäische Zivilisation außerordentlich empfänglich sei. Obwohl sich auch Grabowsky gegen eine Acberflutung Deutschlands durch die Ostjuden ausspricht, so stimmt er der von Georg Fritz („Die Ostjudenfrage") vorgeschlagenen Grenzsperrung mit amerikanischem System nicht zu, denn „ganz verfehlt ist es, diesen Grenzschluß — und noch dazu in versteckter Form — einseitig auf die Juden hin zu gestalten; er kann nur in einer Form kommen, daß alle in östlichen Kulturen lebenden Menschen einer besonderen Prüfung auf ihre Riederlassungsfähigkeit im Deutschen Reich unterzogen werden, also sowohl Förden wie Polen". Also kein Riederlassungsverbot sogar für a l l e Einwohner Kongreß-Polens und absolut kein in gewissen Kreisen mit Recht perhorresziertes Ausnahmegesetz, sondern Riederlassunqsbeschränkungen auf gewisse Zeitdauer, denn „wer nicht nur unserer Zivilisation, soirdern auch unserer Kultur nähergetreten ist, dem darf man die westliche Luft nicht verschließen". — Wenn auch ein ganz großer Teil der deutschen Faden heit sich zu diesem Projekt einer solchen Einwandemuigsbeschränkung zustimmcnd stellen würde, wäre dieser Vorschlag noch einer weiteren gründlichen Besprechung zu unterziehen. Um aber solchen an und für sich unliebsamen Riederlassungsmaßregeln in der Praxis die Spitze abzubrechen, will der ''Antor die Anhänglichkeit des polnischen Juden an die Scholle heben, was ihm dankbarer und wichtiger erscheint als die palästinensiche Kolonisation, wie dies schon „einsichtige deutsche Juden erkannt haben", uni» hier weist er der deutschen Iudenschast die Führerrolle zu. Die Zuweisung dieser dankbaren Rolle verbindet er jedoch nicht mit einem Rufe nach Germanrsation der polnischer Juden, vor welcher er mit vollem Rechte warnt. Denn abgesehen von der hieraus erwachsenden Zwietracht zwischen den. so germanisierten bis jetzt nicht assimilierten Iargonjuden und den Polen mosaischer Konfession, wäre das ein neuer Keil zwischen Polen und Juden überhaupt. Die Auswanderungsgelüste der Iargonjuden nach dem Westen würden dadurch noch gesteigert und die Tendenz der assimilierten Juden zur Laufe noch beschleunigt. Alles Folgeerscheinungen, die