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Im deutschen Reich · 1916-03-01 · Heft 3-4 (März 1916) · p. 74

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 3-4 (März 1916)
Article
Das Fiasko des Rassenkrieges
Date
1916-03-01
Page
74 (sequence 2)
Language
German
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74 Im Deutschen Reich.: Ungarn und all die österreichischen Völkerschaften, die mit uns ins Feld zogen, aber traf doch im wesentlichen auf die wahrhaft „splendid isolation“ der beiden europäischen Dcutschmächte zu. Das starke Rassenbewußtsein, das sich bei dem Aeberfall Japans plötzlich allenthalben gegen die gelbe Rasse kundtat, bildet nur ein kurzes Zwischenspiel in dieser seltsamen Entwicklung. Die Waffentaten, unserer Heere brachten uns nach drei Kriegsmonaten das Vertrauen und die Bundesbrüderschaft der Türkei ein. Auf einen Augenblick mußten die Völkischen verstummen. ' Aber der Verrat Italiens war neues Wasser auf ihre Mühlen. Denn was bedeutete das anderes, als welsche Treulosigkeit «gegenüber germanischer Treue! Die neue Krise auf dem buntscheckigen Balkan gebot wiederum Vorsicht. Wer konnte mit Bestimmtheit sagen» ob die romanischen Rumänen oder die flämischen Bulgaren oder das Völkergemisch der Griechen morgen Freund oder Feind waren? Als dann Bulgarien mit uns ging, war aus der flawischen Gefahr plötzlich eine russische gewordelt. And da der Krieg noch mancherlei Bündnisse erwarten laßt, so werden auch die Rassereinen voraussichtlich noch weiterhin sich der jeweiligen politischen Lage anpassen müssen. Je mehr „Rassen* sich aber um das deutsche Schwert scharten, desto mehr haben sich die Rassenpolitiker bemüht, den Deutschen auf seine völkische Eigenart hinzuweisen. In zahllosen Büchern und Broschüren und Artikeln wurde die deutsche Seele ergründet. And von der nüchternen Feststellung, daß der echte Deutsche nur noch der deutsche Landmann Ware, bis zu dem Fichteschen Satz, daß „deutsch sein" heißt» eine Sache um ihrer selbst willen tun, sind sehr viel grobkörnige und einige äußerst feinsinnige Deutungen, des Deutschtums gegeben worden. (Nebenbei nur sei bemerkt, daß gerade die tiefgründigsten und schärfsten Analysen bei den angeblichen Vertretern deutscher Wesensart nicht immer richtig sind.) Die Lösung der Frage aber, die uns der Weltkrieg offenbart hat und die zu» gleich die einzig brauchbare im Kriege und in der Politik überhaupt ist, ist kaum genannt worden: die Staatsangehörigkeit. Dieser Begriff mag ein blutloses Schemen sein für ein paar heimatlose Globetrotter, muß ein lästiger Zwang sein in den Landen:, in denen der Staatsangehörige vom Staate nur die Knute kennt und blutige Pflichten. Wo aber gemeinsame Sprache und gemeinsame Sitte, gleiche Pflichten und gleiche Rechte freie Bürger durch Generationen zusammengeschmiedet haben, da wird sich jeder Staatsangehörige gern und opfermütig zum Staate bekennen, und Volk und Nation werden eins sein. Die Arbeit, die Deutschland noch zu leisten hat, ist riesenhaft und reicht weit über den Krieg hinaus. Es wird eine Arbeit sein, der Vlauäugigkert und metaphysische Tüftelten wenig nützen und die ein sehr konkretes Deutschtum verlangt. Wenn dieser Krieg dazu helfen soll, ein innerlich einiges und tatkräftiges Deutschland zu schaffen, so möge man die üchtige Folgerung aus dem Fiasko des Rassenkampfes ziehen. und die lautet: Deutsch sein heißt Deutscher fein* m

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