Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1916)
- Article
- Die jüdische Jugend
- Date
- 1916-03-01
- Page
- 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 Im Deutschen Reich, geschaffen sind, auch jetzt, da die Grenzen unseres Landes vom Lärme des Krieges umtobt werden, zu erhalten; denn sie sind die Grundfesten unseres Staatsorganismus, die unerschüttcrt auch heute dastehen müssen. Ihre Kraft auf der einen und die Hcldenleistungen derer da draußen auf der anderen Seite sichern uns den Sieg. Und so kommt es, daß auf den ersten Blick das Bild, das heute das Leben im Lande bietet, so wenig verschieden ist von dem, das sich in Zeiten des Friedens uns bot. Aber es scheint nur so, als ob wir Zurückgebliebenen uns nicht auch geändert hätten. Und traurig tväre cs, ,wcnn die furchtbaren Ereignisse, die sich um uns abspielcn, nicht eine Wandlung in uns hervorgerufen haben würden. Die große Not, die wir durchleben, hat so viel Kleinliches und Häßliches mit dem unsere Seele behaftet war,,verschwinden, sic hat unser Gefühlsleben, das in einer Zeit, die nur reale Werte schätzte^ erstorben schien, wieder erstehen, und sic hat uns in unserm ganzen Sein ernster werden lassen. Es mag ja sein, daß uns im Lande dieser Ernst langsamer znm Bewußtsein gekommen ist; denn er ist bei uns nicht, die unmittelbare Folge eines überwältigenden Erlebens, sondern tvir sind, da uns die Not nicht so greifbar vor Augen trat, erst allmählich zu ihin erwacht. Der Ernst aber, der heute unsere Lebensauffassung kennzeichnet, verlangt auch ihre Vertiefung und "bringt damit religiöse und kulturell-ethische Werte zur erneuten Anerkennung. Ein religiöses Sehnen geht durch die Menschheit, wenn sic sich auch im blutigsten Ringen zu zerfleischen sucht. Wir wollen hier nicht dieses durch den Krieg hervorgernfenc Erstarken des religiösen Gefühls zu erklären suchen; wir wollen hier nur die Tatsache fcststellen, daß der Krieg der Religion eine Fülle von Kraft neu geschenkt hat. So ist es denn auch natürlich, daß das Judentum, dieser Urbegriff der Religion und Sittlichkeit, von seinen Bekennern mit neu entfachter Liebe gesucht, wird. Dem aufmerksamen Beobachter kann es nicht entgangen sein, daß heute weite Kreise unserer Glaubensgenossen, die bislang jüdischen Fragen gleichgültig gegenüberstanden, ihnen erhöhtes Interesse entgegenbringen. Ob diese Erscheinung von Dauer ist? Wir wissen es noch nicht. Aber wir hoffen es, und wir sind verpflichtet, mit allen Kräften dafür zu sorgen, daß dieser Segen des Krieges uns erhalten bleibt. Ein Weg scheint mir, wenn ich meine bet jder Kckegsarbeit mehrere« Jugendj-Organisationen bisher gewonnenen Eindrücke zusammenfasse, vor allem zu diesem Ziel zu führen: die Eri Ziehung der Jugend zium Judentum, Es soll nicht verkannt werden, daß in den letzten Jahren schon viel in dieser Richtung getan worden ist. Man hat sich allerorten bemüht, in der Jugend das jüdische Bewußtsein zu «wecken und lie zu erziehen zu selbstbewußten Juden, dis