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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 41

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Der Weltkrieg im Lichte des Judentums [Rezension]
Date
1916-01-01
Page
41 (sequence 3)
Language
German
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Büche rschäll^ 41 noch vieles mehr. Im Gegensatz zu Laurprecht, zu Harden und zu anderen legt Wohlgemuth zuletzt immer religiöse und sittliche Maßstäbe an den Krieg an, er hat , das feste Vertrauen, „daß dev. Mensch und nicht die Maschine, die Sittlichkeit der Einzelnen und nicht eine einzige Seite intellektueller Begabung diesen Krieg gewinnen werde". Aber gerade an den Erfahrungen des jüngsten Jahres zeigt er auch, wie wenig das Moralische selbstverständlich ist, wie sehr es jener sorgsamen Pflege bedarf, die das Judentum fordert. Er betrachtet die Dinge, wie sie sind, ganz ruhig; er gesteht unverblümt zu, daß die Politik nicht mit den Maßstaben zu messen sei, die Ethik und Religion uns anzulegen gebieten". Rückhaltlos halt er „dio Verwirklichung des Ideals vom ewigen Frieden im natürlichen Verlauf der Dinge für ausgeschlossen". Der ewige Frieden begegne uns im Judentum nirgends als religiöse Forderung, ja, es sei sogar sehr schwer^ auf Grund unseres Schrifttums eine glatte Antwort zu geben, ob er als erstrebenswertes Ziel, als Glück angesehen, und ob der Krieg als Anglück detlagt und als Strafe empfunden werde- Beispiele aus dem Leben zeigen die Stellung des rommen Juden zum Kriege und weisen nach, wie sein Patriotimus in sbesonderem Nlaße rein, ernst und tief ist, nicht gelenkt durch irgendein selbstsüchtiges Interesse oder durch die Hoffnung auf Belohnung. Denn unser Autor glaubt nicht, daß es den Juden in Deutschland nach dem Kriege besser gehen werde, als vorher. Er zeigt dafür, welchen Einfluß aus den Juden auch in vaterländischen Fragen die unbedingte Treue gegen die Pflicht und das Ideal des „Kiddusch Haschern", der Heiligung des göttlichen Namens, ausübt. Zu einer Verherrlichung des Judentums wird der letzte Aufsatz. Er betrachtet jene Eigenschaft Gottes, die unserer Religion als die höchste erscheint, die Gerechtigkeit. Sie ist mehr als die Liebe. Sie bringt der Welt die Erlösung. „Das Bewußtsein von der Gerechtigkeit unserer Sache hat Deutschland die heroische Kraft verliehen, fast einer ganzen Welt zu widerstehen". Die Gerechtigkeit bewahrt uns davor, im Haß zu versinken, und der Glaube an sie rettet uns und namentlich die entsetzlich leidenden Juden des Ostens vor Antergang und Verzweiflung. Hoffnungsvoll klingt das Buch aus. Im natürlichen Lauf der Dinge zwar werdender ewige Friede niemals kommen, aber er winke am Ende der Tage. „Anendliche Leiden gehen ihm voraus. Aber sie werden im Sturme vollbringen, was der ruhigen Entwicklung nicht gelang, die Läuterung des Menschengeschlechts und ihre völlige Rückkehr zu Gott". Mögen diese schönen Gedanken, die Wohlgemuth in reicher Fülle gibt, und auch die, deren wir hier, wo der Raum beschränkt ist, nicht gedenken können, viele Leser finden. Jüdische Soldaten im Felde haben diese Betrachtungen mit Freude gelesen und voller' Dank darüber berichtet. Sie erfüllen auch uns in der Heimat mit Vertrauen, .Zuversicht und Geduld. Sie sind eine Wohltat für unsere Zeit und ein bleibendes Denkmal vom Geiste des Krieges für die Lage des Friedens. Rabbiner vr. M. Eschelbachsr *Düsseldorf.

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