Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 22 (1916)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1916)
- Article
- Der Weltkrieg im Lichte des Judentums [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 40 (sequence 2)
- Language
- German
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40 Im Deutschen Reich. vr. I. Wohlgemuths Buch „Der Weltkrieg im Lichte des Judentums" ist eine jüdische Antwort auf diese Fragen. Diese zehn Kriegsawsatze durchdenken die großen Probleme unserer Zeit und erforschen sie mit den Gedanken unseres Glaubens; sie ringen mit den großen Rätseln der Weltgeschichte und. dringen zur Klarheit durch. Sie sind im Laufe eines Jahres langsam nacheinander entstanden und zuerst als Leitartikel in Wohlgemuths Monatsschrift „Ieschurun" erschienen; daher spiegeln sie überall die Freuden und Sorgen der bewegten Tage wieder, aus denen sie erwuchsen. Wohlgemuth ist ein guter Führer durch die verwickelten und rätselhaften Ereignisse unserer Zeit. Seine tiefe Frömmigkeit verbindet sich mit einem scharfen Blick für das Wesen der ergreifendere Begebenheiten und mit einer tiefen Empfindung für die Schwere der Probleme, vor die sich der Glaube gestellt sieht. Die Geschehnisse' unserer Tage äind ja oft unbegreiflich, aber wir können auf ihr Verständnis nicht verzichten. „Meine Gedanken sind nicht Eure Gedanken, und meine Wege nicht Eure Wege" ist der Ausspruch des Herrn. Aber Gott hat auch in unser >Herz das Streben gelegt, dem Sinn des Wcltverlaufs auf den Gruiid zu gehen. Dieser Abschnitt aus der ersten Betrachtung kennzeichnet den Don des ganzen Buches. Wohlgemuths feste Ueberzeugung erscheint nirgends als Manier oder Gewohnheit, sondern sie wirkt bei jeder neuen Frage wie ein eben neu errungener Besitz. Dieser religiösen Gewissenhaftigkeit entspricht die sachliche Ruhe, mit der die Erscheinungen des Krieges besprochen werden.' Wohlgemuth tft von dem großartigen Weltgericht in tiefster Seele er^ griffen. Dazu weiß er von Menschen zu berichten, die von dem großen Krieg in nicht gewöhnlicher Weise bewegt werden. Feldzugsberichte gesetzestreuer jüdischer Soldaten, veröffentlicht im „Ieschurun", sind Urkunden für oie besonderen Eindrücke, die der Kampf .in der Seele des jüdischen Kriegers hervorrnft. Diesen Zeugnissen reihen sich nun Wohlgemuths eigene Schilderungen an, von russischen Juden, von einem deutschen Radinatskandidatcn im Schützengraben, von einem Kriegsfreiwilligen mit ausgeprägt üdisch.n Pftrchrbewußlsein. Diese Erzählungen geben dem Buche seinen besonderen Reiz, und sie verleihen ihm auch bleibende Bedeutung für die Zukunft» wenn einmal zusammenfassend und nach allen Richtungen die Seele des deutschen Volkes während des Weltkriegs geschildert wird. Auch jenseits des religiösen Gebietes ist Wohlgemuth ein?luter Kenner der Zeit. Er weiß mehr als der gewöhnliche Zeitungseser und hat ein treffendes Urteil über die europäische Politik, schon in den ersten Monaten des Krieges, als die vorläufig wichtigste Quelle für das Verständnis der jüngsten Vergangenheit, die Berichte der belgischen Gesandten, noch nicht erschlossen war. Er prüft überall gewissenhaft und eindringlich» er fällt sein Urteil nicht unbesehen, sondern steht, soweit das einem Deutschen in diesem Kriege möglich ist, wie ein Richter über den Dingen. Er verschließt sein Auge nicht vor den Lichtseiten der Fenrde und ist nicht blind für unsere Mangel. Um so bezwingender ergreift uns sein fester Glaube an die Gerechtigkeit der deutschen Sache und sein unerschütterliches Vertrauen auf.den Sieg des Vaterlandes. Eine lange Reihe von Kriegsfragen wird aus der jüdischreligiösen GedÄrkenwelt Heraus beurteilt, die tieferen Ursachen des Krieges, das Völkerrecht und seine Verletzungen, die Rheimser Kathedrale, der Abfall Italiens, die Rolle DIAnnunzios, die Stellung der Neutralen, die amerikanischen Waffenlieferungen und