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Im deutschen Reich · 1916-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1916) · p. 15

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
22 (1916)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1916)
Article
Der russischen Juden Not und Trost
Date
1916-01-01
Page
15 (sequence 1)
Language
German
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Der russischen Juden 9Tot und Trckst. IS Der russischen Juden Not und Trost. Von Or. meck. Edmund Hirsch, Gera, z. Z. im Felde. Dem denkenden Juden und vielleicht noch vereinzelten Andersgläubigen sind die traurigen Ursachen bekannt, welche vor allein die polnisch-russischen Juden äußerlich und leider oft auch innerlich in diejenigen Erscheinungsformen gedrängt haben, welche den Hunderttausenden deutscher Soldaten jetzt so unangenehm,-.zu 'Spott und Verachtung reizend, entgegentreten. Warum schmutzige, in Lumpen gehüllte Frauen und kaum - er-- wachsene Binder,-gebückte Greise mit langen schmierigen Kaftanen und hohlwangige Jünglinge sich -an durchziehende Truppen drängen und ihnen Zigaretten, Ehokolade und Streichhölzer zum Kauf anbieten, warum sie, fortgcjagt und streng ermahnt, immer wieder ihre oft widerwärtigen Lebens- und Genußmittel, selber am Hungertuch nagend, losschlagen wollen, warum andere, klagend und weinend, fau-m verständlich in ihrem Jargon, die Soldaten um Brot anhatten, das können nur wir verstehen, die wir die Leidensgeschichte dieser nach Herkunft und Sprachmischung deutschen Juden uns vor Augen führen. Daß andere, die sich um das Schicksal dieser Unglücklichen nie kümmerten, dasselbe Verständnis haben sollen, wird kaunr zu verlangen sein. Dazu kommt noch, daß gerade die Aermstcn dieser Armen unter Lebensgefahr zurückgeblieben oder, verschleppt und geflüchtet, noch elender! in ihre „Heimat" — nein eine ewige Fremde ist es — Wiederkehr - Leu. Krank, verarmt, ausgehungert drängen sie sich in elenden Hütten zusammen, lauern sie ans den Trümmern ihrer verbrannten Wohnstätten. Mit sieberglänzenden Augen und stille Tränen vergießend, sitzen sie auf den Steinen vor den schwarzen Mauerresten ihrer Häuser und erschüttert sah ich auf dem Bettisch eines noch erhaltenen, aber im Innern wüst aussehenden Tempels, das Klagelied ausgeschlagen: „Echo joschwoh bodod" — „Wie bist du so einsam, du sonst so volkreiche Stadt/' Die besser gestellten Juden, diejenigen, die sich äußerlich den übrigen Einwohnern assimiliert hatten, sind meist fort, wie die echten Russen und Polen. Nur langsam kehren sie zurück, und nur in den nicht zerstörten Städten sieht man sie wieder. In größeren, vollkommen erhaltenen Wohnorten kennt man sie kaum als Juden. Kein Wunder, daß für all die Truppen in den eroberten Landestcilen Rußlands „die Juden" die scharf hervortretemden Typen sind, die ebenso zur besonderen Gattung geworden, wie die „Rußlis", die russischen Gefangenen, die man zahlenwejsc zur Arbeit einfordert und unter denen die vielen oft deutschsprechenden, gebildeten russischen Juden nicht einmal als solche ausfallen. — Daß der Begriff „der Jud'" von neuem Wiederhall finden wird, auch in der deutschen Heimat, unterliegt

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