Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1915-10-01 · Heft 10-11 (Oktober 1915) · p. 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 10-11 (Oktober 1915)
Article
Leutnant Sender [Rezension]
Date
1915-10-01
Page
237 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316851-2316856-2350160--25833-2350258
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Buchierschau^ 237 bewährt hat, wird nicht nur in dem Gedächtnis' seiner Freunde fortleben, sondern sein Wesen soll in viel weiteren Kreisen vorbildlich wirken durch seine Grobheit, seine Bescheidenheit, seinen Opfermut und seine Begeisterung für die Wissenschaft, für sein Vaterland und seinen Glauben! Welch tiefes Gemüt spricht aus seinen Briefen^ ,aus denen hier nur einzelne Zeilen wiedergegeben werden sollen: - „18. September 1914: Ich weiß nicht, ob meine Mutter Meine Nachrichten erhält; ich habe bisher von Hause noch nichts erfahren. Das quält mich sehr. Um so mehr diene ich dem eisernen Muß; und wenn mein Hauptmann mich der Kompagnie als Vorbild der Unerschrockenheit und des Mutes hinstellt, so freut mich das, läßt mich jedoch ebenso ruhig wie bisher unter manchen schwierigen Verhältnissen meine Pflicht tot." Kurz nachdem Sender das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten hatte, schrieb er 9. Oktober 1914 aus Belgien: „Eine Patrouille erhält den' Auftrag, festzustellen,, ob die Brücke zerstört ist. Ich schließe mich, freiwillig an. Schrapnellseuer bestreicht unfern Weg; wir kamen ins Dorf. Kein Feind zu sehen. Der Offizier und ich kriechen unter dem Schutze der Häuser an die Brücke. Sie ist zerstört. Da aber — klatsch, klatsch! — unheimliches Jnfanteriefeuer. Wir zurück zu unserer Patrouille. Ich bringe schnell per Rad die Meldung. Dann wieder zurück zur Patrouille, um sie zurückzuholen; ihre Aufgabe ist erfüllt. Ein feindlicher Flieger hatte unsere Stellung erkundet. Wir stehen unter schrecklichem Artilleriefeuer. Wie durch ein Wunder entgehe ich dem Verderben. Mit Staub bedeckt, erreiche ich die Deckung." „40. Oktober 1914: Ich mache mitten im Schrapnell- und. Granatenfeuer einen Streifzug, habe das Glück, vier Belgier, darunter ein Offizier, gefangen zu nehmen. Nun bin ich Leim Major ein „Teufelskerl" und was noch mehr. Ich bringe durchs Feuer Meldungen zum Oberst, bitte um Artillerie. Sie ist noch drüben. Wir sollen das Bauen einer festen Brücke erzwingen." — „Man wundert sich, daß nur 'Belgier gefangen und getötet sind, obwohl doch auch Engländer vorhanden gewesen sein müssen. „Die Wachens wie die Juden, schicken andere vor und heimsen dann die Erfolge ein" „Ich selbst bin ein Jude." Schweigen. Entschuldigung." „17. Oktober 1914: Inzwischen Lin ich Unteroffizier geworden, In unserer Kompagnie ist noch ein jüdischer Unteroffizier; der hat gestern auch das Eiserne Kreuz bekommen. Mit der „jüdischen Feigheit" ist es also doch nicht so schlimm bestellt! , . tv „3. November 1914: Der Bahndamm sollte erobert werden. Eineinhalb Kompagnien hatten den Bahndamm schon erreicht, da ertönt von irgendwoher der Ruf: „Zurück, marsch, marsch!" Der Zug stockt; die Welle rollt rückwärts; die Folgenden treiben nach dorn; es entsteht ein Knäuel und in diesen rattern die Maschinengewehre ihr mörderisches Feuer. Mein Major stürzt vor; eine Kugel verwundet ihn schwer. Ich fange ihn in meinen Armert auf, schütze ihn vor dem Zertretenwerden. Dann bringe ich ihn im Kugelregen in ein Haus, verbinde ihn und bereite ihm eine Lagerstatt. Mich traf nur ein Prellschuß, ohne wich zu verletzen." „8. November 1914: Mein Major hat, da er verwundet irk Berlin weilt, seinen dringenden Wunsch zurückgelassen, mich weiter zu befördern."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.