Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 10-11 (Oktober 1915)
- Article
- Dem Andenken zweier Getreuer
- Date
- 1915-10-01
- Page
- 222 (sequence 2)
- Language
- German
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222 Im deutschen RerH: Ofsiziersgesellschasten teilzunehmen. Das hat er getan. Auf seine Erkundigungen ist ihm mitgeteilt worden, daß er allgemein gefallen habe, daß nichts gegen ihn vorliege. Aber nach einiger Zeit nahm ein Vorstandsmitglied der Offiziersgesellschaft — seiner Versicherung nach lediglich aus freiem Antrieb und persönlichem Interesse, ohne jeden Auftrag von irgendwelcher Seite — mit ihm über seine Angelegenheit Rücksprache und erklärte ihm, er habe doch den Eindruck gewonnen, als ob er w e g e n seines Glaubens beider v o r z u n e h m e n d e n Wahl möglicherweise aögelehnt werden könne, und er empfehle ihm deshalb, seinGe such zurückzuziehen. Er hat das nicht getan, und die Wirkung war, daß am 11. Januar dieses Jahres ihm die Mitteilung zuging, daß er nicht gewählt worden sei. An diesem Falle ist die Militärbehörde nicht schuld; es ist der Geist, der hier aus dem Osfizierkorps gesprochen hat, und gegen diesen Geist machen wir Front und müssen wir Front machen, hoffentlich in völliger Rebereinstimmung auch mit der Militärverwaltung, aus Gerechtigkeit und zur Wahrung der verfassungsmäßigen Rechte der jüdischen Staatsbürger." Der Centralverein hatte schon am 4. März deswegen beim sächsischen Kriegsministerium Vorstellung erhoben und unter dem 28. April folgenden Bescheid erhalten: „Auf das Schreiben vom 4. März 1909 teilt das Kriegs- Ministerium mit, daß nach Prüfung der Verhältnisse der Beschwerde über die Verzögerung der Zurwahlsteklung des Vizeseldwebels. der Reserve Mühlselder eine Berechtigung nicht abgesprochen werden kann. Der kommandierende Herr General ist veranlaßt worden, die Wahl für ungültig zu erklären und eine neue Wahl anzuordnen." Die Neuwahl wurde ans den 11. Mai 1909 anberaumt und hatte das Ergebnis, daß — wie das Vezirkskommando Chemnitz wörtlich mitgeteilt hat — „von '87 anwesenden Offizieren 86 Herrn Dr. Mühlselder als nicht geeignet zum Offizier des Beurlaubtenstandes gehalten haben." So ist Dr. Mühlselder nur als Offizierstellvertreter in den Krieg gezogen und ,er hat Lurch eins Heldentat nach wenigen Lagen als erster seiner Kompagnie das Eiserne Kreuz erworben. Trotz seiner Verwundung tat er wieder Dienst, wurde aber nicht Offizier, obgleich er wiederholt zur Beförderung empfohlen war. Wie sein Hauptmann über ihn urteilte, geht aus einem Schreiben hervor, das dieser nach dem Heldentode Mühlfetders am 7. März 1913 an dessen treuen Freund, Herrn HermannGroßmann in Chemnitz, richtete. Darin heißt es: „Er hat sich durch seine Tüchtigkeit und seine taktvolle Art die Wertschätzung aller Offiziere des Regiments erworben. Ich weiß, wie manche bittere Stunde es ihm bereitet hat, daß er nicht Leutnant geworden war. Seit einer Reihe von Wochen war ich