Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Bei der vierten vaterländischen Feier
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 184 (sequence 2)
- Language
- German
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184 Im deutschen Reich, Rabbiner Dr. Max Freudenthal die Festrede gehalten. Der« Redner betonte, daß es keine schönere Siegesfeier gäbe, als den Quellen der überlegenen Kräfte der deutschen Siege nachzuspüren. Nls solche bezeichnete er in schwungvollen Ausführungen den starken Ordnungssinn des deutschen Volkes, den Wirklichkeitssinn, der es befähigt, das Wirtschaftsleben in kurzer Zeit dem Kriege anzupassen, den Wahrheitssinn der deutschen Ehrlichkeit, von dem die systematische Anwahrhastigkeit der Gegner sich grell abhebt. In der dreifachen Rüstung Ordnung, Wirklichkeit und Ehrlichkeit könne das deutsche Volk alles ruhig abwarten; es habe den Krieg nicht gewollt, aber jetzt wolle es deü Sieg, der den Frieden uns und der Welt bringe. — Vaterländisches Konjert in der Leipziger Synagoge. Am 20. Juni d. I. hat der unter Leitung des Musikdirektors Gustav Wohlgemuth stehende Leipziger M änne r ch o r unter Mitwirkung der Hofopernsängerin Therese Rothäuser und anderer bekannten Künstler in der Leipziger Synagoge zum Besten der Kriegsnotspende ein Konzert veranstaltet, das durch eine Ansprache des Rabbiners Dr. P o r g e s eingeleitet wurde. Der Männerchor brachte u. a. Liszts „Gottes ist der Orient" in vorzüglicher Weise zum Vortrag. Der Musikreferent der „Leipziger Reuesten Nachrichten" schrieb in seinem Bericht über dieses Wohltätigkeitskonzert: „In Leid zig singt ein großer christlicher Chorverein zu wohltätigen Zwecken im israelitischen Gotteshause. Das ist Kultur, ist jene edle Menschlichkeit, wie das neue Deutschland sie über politische Parteien, alle religiösen Bekenntnisse hinweg fordert. Es war dieser Geist der Brüderlichkeit, Treue und Versöhnlichkeit, die bezwingende Wärme des Dankes an die hilfsbereiten christlichen Brüder und Schwestern, jener Dankbarkeit des Israeliten, die so schön und sprichwörtlich ist wie seine Wohltätigkeit und seine Förderung der Musik, die aus der Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Porges hervorklang." Den Eindruck der Veranstaltung bezeichnete der Referent Dr. Walter Riemann als ein tiefgehendes Ereignis. — Juden in 6er neuen städtischen Selbstverrvaltung Russisch- Polens. Rach der neuen „Städteordnung" für die unter deutscher Verwaltung stehenden Gebietsteile Russisch-Polens werden jetzt die Mitglieder des Magistrats (Schöffen) und des Städtverordnetenkollegiums bei der erstmaligen Bildung ernannt. In Lodz, Pabianice, Wielun und anderen Städten haben die Ernennungen schon statt gefunden. Die jüdische Bevölkerung wird ihrer Stärke gemäß bei der Bildung der städtischen Selbstverwaltungskörperschasten berücksichtigt. So sind in Lodz unter den 10 Schöffen drei Juden. Anter den Äo Stadtverordneten befinden sich 12 Juden. In Pabianice wurde unter sechs Schöffen ein Jude ernannt. Zu den 23 Stadtverordneten gehören vier Juden. In Wielun befinden sich unter den 12 Schöffen vier Juden. — Zur Herstellung von Munition. Das russische Zentralkomitee für den Kriegsbedarf hat, nach einer der „Rordd, Allg. Ztg." über Kopenhagen Zugegangenen Mitteilung, im Juli d. I. beschlossen, die russische Regierung zu ersuchen, Munitionsarbeiter, vom Kriegsdienste zu befreien sowie flüchtige Juden zrnd anderejüdischetzandwerker zur Herstellung von Munition heranzuziehen und hierfür ihnen Freizügigkeit zu gewähren.