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Im deutschen Reich · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · p. 174

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Article
Das Gutachten Abraham Geigers über die "Militärpflichtigkeit der Juden"
Date
1915-08-01
Page
174 (sequence 10)
Language
German
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174 Im deutschen Neich. rung beruht nach rabbimschem SiandpunkLe auf der Pflicht der Selbsterhaltung, welcher alle sonstigen rabbinisch-gesetzlichen Vorschriften weichen müssen. 5. Die wenigen Beschränkungen, welche im jüdischen Staate bei Eroberungskriegen aus Rücksicht auf die rabbinisch-gesetzlichen Vorschriften galten, betrafen nur das Staatsoberhaupt, und hatten ihren Grund darin, daß der ganze Staat auf jüdischen Grundsätzen beruhte; der Einzelne war jedoch den Anordnungen des Staates und der daraus resultierenden Pflicht der Verteidigung unter allen Umständen unterworfen. Der heutige Staat, nicht auf jüdischen Grundsätzen beruhend, und nicht von einem jüdischen Herrscher geleitet, kennt daher auch diese Beschränkung nicht, und der Einzelne hat der Pflicht der Verteidigung alles andere nachzusetzen. Unter unseren Regenten werden aber ferner nur Kriege zur Verteidigung geführt, also pflichtmäßige Kriege, bei denen selbst im jüdischen Staate Beschränkungen nicht stattfanden. Die heutige Kriegsführung fordert endlich die mannigfachsten Vorbereitungen auch in Friedenszeiten, und diese führen dieselben Befreiungen mit sich wie der wi rk Liche Kriegszustand. Es findet demnach die Üebernahme der Mili- L ä r pflichtigkeit nicht bloß kein Hindernis in dem r n b b i n i s ch e n I udent it m e, s o n d e r n d i e s e l b e i st e i n e r e l i g i ö s e Pflicht, und zwar die h ochste, d e r a l l e a n - d er e n jicf) unterot bneti mü(]en, sv daßderfromme I n b c ) i ch ihr nicht entziehen dar f. Es ka n n d a h e r a u ch d e m h e u t i g e n S t a a L e nicht als eine S ch o - n u it g der Gew i s s e n a n gerechnet werdet:, wenn er die Juden v o m M i l i t ü r d i e n st e befreit; v i e l m e h r wäre es eine G e w i ss e n s v er l etz un g, wenn erihnen die Mittel zur B e r L e i d i g u n g ihrer s e lb st und des' Vaterlandes entzog eü Toleranz.. Die M e n bei s s o h n - Tolera n 5 st i f t int g hatte als erste Aufgabe das Thema zur Bearbeitung gestellt: „Der Toleranzgedanke in der deutschen Literatur zur Zeit Mendelssohns." Den ersten Preis errang vr. Alfred Wolfs, dessen Schrift nunmehr durch den Druck weiteren Kreisen zugänglich, gemacht worden ist.*) Für die Menschen unserer Zeit, besonders für die Mitglieder von Minderheiten, hat das Wort „Toleranz" keinen angenehmen Klang. Es liegt darin etwas von demütigem Bitten und freiwilligem Gewähren,' von Gnade ans der gebenden und dankbarer. Unterwürfigkeit auf der empfangenden Seite. Wir verlangen mehr! Unser Ideal *) Erschienen im Verlage von Mayer und Müller, 1915. '48 S. Preis e i u c Mark.

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