Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- Das Gutachten Abraham Geigers über die "Militärpflichtigkeit der Juden"
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 166 (sequence 2)
- Language
- German
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166 Im deutschen Reich. daß der christliche Charakter des Staates' erhalten werden müßte; die Juden sollten deshalb wie bisher von allen öffentlichen Aerntern ausgeschlossen sein; vor allem sollte die Militärpflichtigkeit der Juden aufgehoben werden, man wollte ihnen jedoch den freiwilligen Dienst erlauben. „Endlich soll den Juden auch, und zwar um ihren religiösen Ansichten nicht zu nahe zu treten, die Militärpflicht erlassen werden, die sie durch Geld ablösen können, wogegen ihnen aber gestattet sein soll, freiwillig einzntreten, nur aus Avancement zu dienen/' Die preußischen Juden waren durch diese Mitteilung niedergeschmettert. Am tiefsten traf sie die Ankündigung, daß sie von der Dienstpflicht im Heere ausgeschlossen sein sollten. Ludwig Philippson richtete eine Bittschrift an den König, der sich sofort '48 preußische Gemeinden anschlossen, und forderre in markigen Worten den Einschluß der Juden m die mRitärische Dienstpflicht als unveräußerliches Recht. Der ersten Bittschrift folgte ein 'wahrer Sturm von Eingaben aus allen Teilen des Königreichs Preußen. Freisinnige und altgläubige Juden waren in der entrüsteten Abwehr des ausnahmslos als entwürdigend empfundenen Gesetzesvorschlages einig. Am 1. Juni 1842 ersuchte das Ober-Vorsteher-Kollegium der Breslauer Gemeinde ihren Rabbiner Or. Abraham Geiger ttm ein ausführliches rabbinisches Gutachten über die Frage, -,ob es sich mit den Grundsätzen unserer Religion und mit den bestehenden Ritualgesetzen vertrage, daß die jüdischen Untertanen der allgemeinen Militürpflichtigkeit Nachkommen." Bereits am 6. Juni überreichte Geiger das erbetene Gutachten, das sofort durch den Druck verbreitet wurde. Auf seine Gründe berief sich die Flugschrift Gabriel Rießers: „Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen." Auch er sah in der Ausschließung der JMen von der Militärpflicht die schwerste Gefährdung aller Bestrebungen zur Durchsetzung der bürgerlichen Gleichstellung und Gleichberechtigung seiner Glaubensgenossen. „Ich komme nun zu dem letzten und bedeutendsten Punkt, zu der eigentlichen Spitze der Sache, zu derjenigen Bestimmung des durch Gerüchte verbreiteten Planes, zu derjenigen Konsequenz seines Grundgedankens, auf welche, weil sich in ihr das Böse und Berkehrte desselben am schärfsten und sichtlichsten ausprägt, der achtenswerte beharrliche Widerstand, den wir von allen Seiten sich erheben sehen, vorzugsweise gerichtet ist." Mit diesen Worten beginnt er die von leidenschaftlicher Erregung erfüllte Abwehr des Planes der Ausschließung der Juden von der Militärpflicht (Gabriel Rießer, Gesammelte Schriften III. 418 ff., 471 ff.). Der Bittschriftensturm verfehlte seinen Eindruck auf den König nicht. Er wies die Bittsteller nicht ab, sondern vertröstete sie auf das in Vorbereitung befindliche Gesetz. Der Kriegs-