Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 21 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1915-08-01
- Page
- 158 (sequence 3)
- Language
- German
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158 Fm deutschen Reich. daß Hie ^geheuchelte Entrüstung über Reuters antideuffchs Haltung unbegründet war, weil auch eine ganze Anzahl im Ausland lebender nichtjüdischer Deutscher in der Stunde der Gefahr die deutsche Sache im Stich gelassen hat. Die „Österreichische Wochenschrift" hat darauf 'verwiesen, daß hervorragende, in England ansässige Christen deutscher Abstammung als Feinde des Deutschtums ausgetreten sind, u. a. Ingenieur AlexanderSiemens, Sekretär des königlichen britischen Instituts, dem er in einem am 2. Februar d. I. in der ,,Times" veröffentlichten Schreiben versicherte, schon 1878 aus der deutschen Staatsangehörigkeit entlassen zu sein und jetzt keinen Ausdruck für seine Empörung, über Deutschlands Verletzung internationaler Verträge zu finden. Ein anderer Angehöriger einer hochangesehenen deutschen Familie, Johannes Mathias von Beruuth, sandte dem Antwerpener Blatt „Metropole" ein Schreiben, in dem er auf seine schon vor Jahren erfolgte Naturalisierung in Belgien aufmerksam machte und beteuerte, seit Beginn des Krieges aus wärmsten Herzen für die gerechte Sache zu beten. Dev jetzt an der Harwavd-Universität angestellte Professor Or. Kuno Franke, ein angesehener Rechtslehrer, der in Kiel geboren, aber in Boston naturalisiert ist, hat am Z. Februar d. A in einem durchaus deutschfeindlichen Blatt, der „New Pork Times", eine Erklärung veröffentlicht, durch die er den Deut-* scheu in seiner Adoptivheimat geradezu in den Rücken fies. Solchen Beispielen gegenüber glauben die Rassenfanatiker auf einige gleichgesinnte ehemalige Deutsche Hinweisen zu können, die von Juden abstammen, aber dem Väterglauben früher entsagt haben als ihrer Geburtsstätte. Die „Deutschs Tageszeitung" zählt z. B. den langst getauften Schwiegersohn eines englischen Oberstleutnants, den früher in Freiburg i. B., seit zwanzig Jahren in England tätigen Professor L. Oppenheim — wie sie sich auszudrückeu beliebt — „zu den Simon, Cohn und Genossen". Von diesen hat sich aber Oppenheim längst losgesagt. Auch Sir Ernesr Cassel, der früher durch Stiftungen eine Verständigung zwischen Deutschland und England herbeizuführen hoffte, jetzt aber „seinen tiefen Abscheu vor der Art und Weise, in der die deutsche Regierung Krieg führt," zum Ausdruck bringt, gehört nicht mehr dem Judentum an. Die Aufregung der Londoner Schiffahrtsbörfe und der Metallbörse nach dem Untergang der „Lusitania" hakte zu dem Beschlüsse geführt, alle Mitglieder deutschen, österreichischen und tnrfi* kis.chen Ursprungs ohne weiteres von der Börse auszuschlietzen, soweit sie nicht in Ergebenheitsadressen öffentlich die deutsche Kriegführung verurteilen würden. Leider hat