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Im deutschen Reich · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · p. 156

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
21 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Article
Henriette Goldschmidt
Date
1915-08-01
Page
156 (sequence 3)
Language
German
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'J56 Fm deutschen Reich. Frau Goldschmidt hat den Beweis geliefert, daß die Familie und das Hans nicht verkürzt zu werden brauchen, wenn die Frau sich in der Öffentlichkeit betätigt, und ist auch hierin ihrem Geschlecht vorbildlich geworden. Ihrem Gatten ebenbürtigan Geist'und Gemüt, fürsorglich und treu, mit ihm 'strebend, hat sie stets 'die Pflichten der Hausfrau gewissenhaft erfüllt. Daß ihr Wirken die allgemeinste Anerkennung gefunden hat, haben die begeisterten Huldigungen bewiesen, die der Veteranin der deutschen Frauenbewegung wiederholt dargebracht wurden. Ihr 70. Geburtstag gab die willkommene Gelegenheit, in Leipzig eine „Frau I>r. Henriette Goldschmidt-Stiftung" zu errichten, und an ihrem 80. Geburtstage verlieh ihr König Friedrich August von Sachsen die Carola-Medaille. Frau Goldschmidt bildete den gefeierten Mittelpunkt des Internationalen Frauenkongresses in Berlin 1890 *ünd 1904, wie der Tagung des „Jüdischen Frauenbundes" in Leipzig 1913. 1909 hat sie in einem . trefflichen Erziehungsbuche „Was ich von Fröbel erlernte und lehrte", ihre reichen Erfahrungen nieder^ gelegt. Im folgenden Winter hielt die Greisin in Leipzig und Magdeburg Vorträge über das Thema: „Vom Kindergarten bis zur Universität", die begeistert ausgenommen wurden, und am 29. Oktober 1911 sah sid mit tiefer Dankbarkeit durch die feierliche Eröffnung der Hochschule für Frauen in Leipzig das Ziel ihres Strebens verwirklicht. Im Frühlinge 1914 erhielt sie den Maria-Anna-Ordeit in Anerkennung ihrer Verdienste um die Volkserziehung in Sachsen. Ungebeugt von der Last der Jahre hält Frau Goldschmidt noch ihre schützende und fördernde Hand über ihren Schöpfungen. Die deutsche Nation, die deutsche Judenheit zollt dankbar ihre Anerkennung der edlen Frau, die ohne jede Eitelkeit, in stiller Größe seit einem halben Jahrhundert durch ihre Wirksamkeit zur Erziehung des Menschengeschlechts beigetragen hat, indem sie Mütter heranbilden half. An ihr erfüllt sich die göttliche Verheißung^: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein!" Ä- Amfchau. Es ist interessant, zu verfolgen, wie im deutschfeindlichen Ausland jetzt alle Vorwürfe gegen die Deutschen erhoben werden, die — nicht minder grundlos — unsere Antisemiten früher gegen die Juden vorzubringen sich erkühnten. In der „Süddeutschen Konservativen Korrespondenz" lesen wir: „Der Ausländer bekämpft und haßt im einzelnen Deutschen die Tüchtigkeit seiner wirtschaftlichen Fähigkeiten und persönlichen Tugenden." In seinem in unserem Verein gehaltenen Vortrag über den „Krieg und die Juden" äußerte Geheimrat Or. Eugen Fuchs: „Früher verachtete man die Juden; jetzt haßt man sie, seitdem sie die Gleichberechtigung erkämpft haben. Ich war nicht wenig überrascht, in einem Artikel des ,,Tag" dasselbe über die Deutschen zu lesen: Früher habe man sie verachtet; jetzt hasse man sie." Wo man die Deutschen nicht nur durch die gefärbte Brille ausländischer, feindseliger Schilderung betrachtet, bewundert man schließlich ihre guten Eigenschaften. Ebenso schwindet der Haß gegen die Juden,

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